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Seite 8 von 53
Die kleine, zarte Bakhut öffnete die schwere Tür des Arbeitszimmers und beeilte sich ihrer Herrin Platz zu machen, die schnellen Schrittes den Raum betrat, der in einem satten Mahagonibraun gehalten war und in dem ein großer Schreibtisch und eine große Ledercouch den Blick als erstes auf sich zogen.
Ohne Umschweife trat Christina zu ihrem Verwalter: "Was ist geschehen?"
Mr. Binks schob sich nervös die Brille auf der Nase zurecht und wußte anscheinend danach nicht, was er mit seinen Händen machen sollte, die er abwechselnd vor sich faltete und dann aneinanderrieb. "Die Leute wollen nicht aufs Feld, Madam. Sie haben Angst. Wir müssen die Erntezeiten aber einhalten..."
"Das ist mir durchaus bewußt, Mr. Binks." Christina winkte ungeduldig ab und wandte sich an den halb in sich zusammengesunkenen, schwer atmenden Aufseher Tunik, dem der Schweiß auf der Stirn stand. Wobei seine weit aufgerissenen, dunklen Augen eher auf eine Angstreaktion schließen ließen, als auf die nachmittägliche brütende Hitze, von der man im Haus, Gott sei Dank, weitestgehend verschont blieb.
"Setz dich erst mal Tunik und dann berichte, von Anfang an, was vorgefallen ist."
Ruhig, aber bestimmt, faßte sie den kleinen drahtigen Mann an den Schultern und zwang ihn sich auf einen Stuhl zu setzen. Er wirkte unglücklich und schien sich äußerst unwohl zu fühlen, als wenn ihn persönlich die Angelegenheit betraf, dabei war er nur der Überbringer, aber es stimmte schon, daß in früheren Zeiten der Überbringer schlechter Nachrichten ersteinmal gezüchtigt wurde.
Christina setzte sich ihm gegenüber. "Bakhut, bring unseren Gästen Limonade." Die zierliche junge Frau in ihrem schneeweißen Sarong nickte und verschwand diensteifrig.
"Nun erzähl', Tunik." forderte Christina sanft, den in seinem einfachen grauen, langen Hemd und hellen Hosen wie ein Häufchen Elend auf dem Stuhl zusammengesunkenen auf.
"Sie kamen aus Simajak, 200 m von unseren Dorf entfernt..."
Christina nickte dem Mann aufmunternd zu.
"...einige waren verletzt. Sie erzählten, daß man ihr Dorf überfallen hat, als die Männer auf dem Feld waren. Dann hat man den Männern bei ihrer Rückkehr aufgelauert und die meisten mitgenommen. Nur wenige konnten sich zu uns retten. - Ma'am Sahib, sie haben alle Frauen und Kinder entführt!" Seine Stimme überschlug sich fast. Als Aufseher hätte er sich besser unter Kontrolle haben müssen, aber Binks hatte ihn vorgeschlagen, weil er ein sehr fleißiger Arbeiter war, nur war die Wahl zum Aufseher vielleicht nicht so ganz glücklich gewesen.
Bakhut kam mit Gläsern und einem Krug Limonade herein. Christina schenkte Tunik kurzerhand selbst ein und reicht ihm das Glas. "Und was geschah dann weiter?"
Tunik leerte das Glas in einem Zug und hielt es krampfhaft fest, wie nach einem Halt suchend, nach einem rettenden Strohalm, obgleich Christina nicht verstand, was ihn so dermaßen erregte.
"Die Männer weigern sich aufs Feld zu gehen. Sie wollen ihre Familien nicht alleine lassen. Einige waren der Meinung man sollte fliehen, aber Haako hat sie davon überzeugt, daß es nichts bringt zu fliehen, wo sollten sie hin, höchstens in die Gefängnisse des Gouverneurs, wenn sie ein Patrouille erwischt. Jetzt bauen sie Barrikaden und machen sich Waffen."
Zwischen Christinas Augenbrauen hatte sich eine tiefe Unmutsfalte gebildet. Sie warf ihrem Verwalter einen kurzen forschenden Blick zu, aber er schien mit dieser Situation auch überfordert zu sein. "Bakhut, laß zwei Pferde satteln!"
An Binks wieder gewandt. "Wir reiten hin."
Sie erhob sich und Tunik war auch sofort wieder auf den Beinen, aber Christina drückte ihn sanft wieder in den Stuhl: "Du bleibst hier Tunik, und ruhst dich aus."
"Oh nein, Ma'am Sahib, ich muß zu meiner Familie, sie werden sich Sorgen machen."
Christina zögerte einen Moment. Dieser sonst so ruhige, besonnene, fleißige Mann hatte sich vor Sorge und Kummer kaum noch unter Kontrolle. "Binks, geben sie Tunik ein Pferd."
Christina van Henning verließ mit eiligen Schritten das Arbeitszimmer und hätte fast ihren Besuch vergessen.
"Was ist passiert, Tina?" Beth Kopf schaute ihr aus den offenen Flügeltüren des Salon hinterher, wie sie schon halb auf der großen Haupttreppe war, um sich ihren Zimmern umzuziehen.
"Ein Dorf wurde überfallen. Meine Leute wollen nicht mehr auf die Felder aus Angst ihren Familien könnte was passieren."
"Ach du meine Güte." Beth machte ein besorgtes Gesicht.
"Ich komme mit." Ray trat hinter seine Frau aus dem Salon. Er sah an Christinas Gesicht, daß es ihr nicht recht war, da sie immer versuchte ihre Probleme alleine zu lösen, aber dererlei ignorierte er. Und was er sich in den Kopf gesetzt hatte, tat er auch. "Im Ernstfall wird Binks sicher keine große Hilfe sein, schätze ich." Ein kühnes Grinsen lag auf seinem Gesicht, er witterte womöglich ein Abenteuer, dachte Christina und beugte sich über das breite Geländer. " Ich danke dir, mein Freund."
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Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 30. Dezember 2007 )
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