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Hiroyuki Tagawa hatte ein Feuer angezündet. Es war bereits dunkel geworden.
Endlich entfernte er Christina den Knebel und schnitt ihre Fesseln
durch. Er reichte ihr einen Becher mit Wasser. "Sie dürfen das wirklich
nicht persönlich nehmen."
"Ach, nicht?! Das sehe ich aber ganz anders." Sie erhob sich kurz und
versuchte einen etwas bequemeren Sitz auf dem Stein, auf den der große
Mann sie hinbeordert hatte, zu finden. Sie wischte ein paar
Wasserflecken vom Rock ihres dunkelgrünen Kleides, so als wenn das hier
etwas ausmachen würde.
"Was wollen sie, Mr. Tagawa? - Geld?" Sie schaute ihn voller Abscheu
an. Und diesen Mann hatte sie für ehrenhaft gehalten, war fasziniert
von seiner Ausstrahlung gewesen. Ein Gefährte von Sandokan...
Er lächelte sie geheimnisvoll an "Das wäre denkbar, immerhin haben sie
gerade ihr Land verkauft, für einen stolzen Preis, aber weit unter
Wert. - Warum haben sie es nicht behalten?"
"Ich glaube nicht, daß sie das irgend etwas angeht!"
"Das mag sicherlich sein....!"
Hiroyuki Tagawa erhob sich. Einen Moment verharrte er regungslos und blickte in das Dunkel, daß außerhalb des Feuerscheines lag.
"Aber vielleicht will ich ja ganz etwas anderes..." Er näherte sich
ihr, geschmeidig wie ein Panther, der seine Beute umschleicht.
Christina ließ den Becher achtlos zu Boden fallen, sie schob sich an
dem groben Fels hinter sich zur Seite. Er griff nach ihr. Seine Hand
umschloß fest ihren Arm. Ganz vorsichtig berührte er ihr Haar, strich
mit seinen Fingern hindurch...Christina beugte den Kopf zur Seite und
macht einen Schritt zurück...
"Laß' sie los Hiroyuki!"
Am Rand des Feuerscheines stand mit gezogenem Säbel Sandokan.
"Du störst..." Hiroyuki wandte noch nicht mal den Kopf.
Sandokan näherte sich in angespannter Haltung. Hiroyuki schenkte ihm keinerlei Beachtung.
Mit einem schnellen Schritt nach vorne setzte der Tiger von Malaysia
seinen Säbel an Hiroyukis Kehle an. "Laß sie los!" zischte er
Hiroyuki Tagawa gab den Arm von Christina frei. Sandokan zog sie hinter sich. "Hat er dir etwas getan?"
"Nein..."
"Was interessiert es dich?" Hiroyuki beugte sich noch ein klein wenig
nach vorne. Die Klinge an seiner Kehle bewies ihre Schärfe. Eine Wunde
wie ein dünnes rotes Band an seinem Hals, färbte den Säbel. Hiroyuki
schien dies nicht zu bemerken "Wer bist du, daß du dich hier
einmischt?" Die beiden Männer musterten sich kalt.
"Du hast sie gehen lassen, du wolltest sie nicht, was willst du jetzt?
- Sie retten, damit sie ihre Schiffspassage rechtzeitig erreichen
kann?" Hiroyuki schaute Sandokan hämisch an "Und dann...wie kannst du
dann noch verhindern, wenn sie weg ist, daß ein anderer Mann sie
begehrt, sie verletzt oder den Platz an ihrer Seite einnimmt, der Vater
deines Sohnes wird...?"
Wie von einer Faust getroffen, trat Sandokan einen Schritt zurück. Er
blickte in das Gesicht des Kopfgeldjägers, dessen Worte ihn wie die
Pranke eines Tigers, scharf und unberechenbar getroffen hatten.
Er wandte sich zu Christina um. "Ist das wahr?"
Sie wich seinem bohrendem Blick aus und schaute statt dessen ernst auf Hiroyuki "Woher wissen sie es?"
Der lächelte leicht. "Manchmal ist es besser, wenn einem Entscheidungen abgenommen werden!"
Hiroyuki Tagawa drehte sich um, lief zu den Pferden, sprang in den
Sattel seines eigenen, griff nach den Zügeln der beiden anderen..."Ich
hole euch morgen wieder ab." ...und wurde von der Dunkelheit
verschluckt.
"Warum hast du es mir nicht gesagt" Sandokans Blick verlor sich an einem anderen Horizont.
"Was hätte es geändert? Dann wäre deine Sorge noch größer gewesen, daß
auch deinem Kind etwas zustoßen könnte." Gefühle, die sie seit Wochen
unterdrückte, bemächtigten sich ihrer mit unvorstellbarer Größe. Tränen
verschleierten ihren Blick. "Oder hättest du mich dann nicht
fortgeschickt, wenn du es gewußt hättest?"
Sandokan blickte in das knisternde Feuer. Mit unbändiger Kraft, rammte
er plötzlich seinen Säbel in das Erdreich. Er schaute sie an, trat zu
ihr. Seine Finger fingen eine Träne auf, die langsam ihre Wange
hinabglitt "Es tut mir leid." Er nahm sie zärtlich in die Arme. "Ich
liebe dich, Christina."
Einsam zog eine Sternschnuppe ihre Bahn über den Himmel von Sarawak und
erleuchtete das Land. Erlöschend wie das Licht eines einsamen
Wanderers, der sein Ziel endlich erreicht hatte...
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Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 30. Dezember 2007 )
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