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Seite 37 von 53
"Was für eine Unordnung! - Lieutenant, warum gibt es keine Unterlagen, wenn die Gefängnisse überfüllt sind?"
"Oh...ich äh...das kann ich nicht sagen, Mylord!"
"Und wer kann mir das sagen?"
"Nur der...der Gouverneur!"
"Bringen sie auch einen Satz zustande ohne zu stottern?"
"Ich..."
"Vergessen sie es."
Der Repräsentant der Krone, Lord Kanzler John G. Martok, eigens von
Singapur nach Sarawak beordert, um den ungenauen Berichten, die aus
diesem britischen Protektorat kamen und Ihrer Majestät mißfielen, fegte
diverse Akten vom Tisch. Er war berühmt für seine unorthodoxen Aktionen
und er haßte Pflichtverletzungen....
"Colonel!?"
"Ja, Mylord?"
Die imposante Gestalt des Lord Kanzlers erhob sich. Sein weißes, volles
Haar gab der kräftigen Gestalt in dem hellen Anzug eine königliche
Erscheinung. "Durchsuchen sie mit ihren Leuten die oberen Etagen."
Colonel O'Neill, der vor einer Stunde mit einem Bataillon zusammen mit dem Lordkanzler hier eintraf, verließ den Raum.
"Weiter im Text." Der Kanzler baute sich vor dem in seiner direkten
Gegenwart noch kleiner wirkenden Lieutenant Barclay auf. "Sind sie der
einzige führende Offizier hier? Wer hat sonst das Kommando?"
"Major Kincaid, aber der ist zurück nach England gegangen. Sonst Captain Sheridan, aber der ist beim Gouverneur...."
"Mann, ich will nicht wissen, unter wem sie gedient haben, sondern wer
normalerweise der diensthabende Offizier wäre!" herrschte ihn John G.
Martok an und Lieutenant Reginald Barclay schien wie von einer
kräftigen Windböe erfaßt zurückzuweichen.
"Picard...Captain Picard...Mylord!"
"Ich dachte, der ist in Beaufort stationiert..."
"Ja, war er auch, aber zur Verstärkung....."
"Egal!" John G. Martok schnitt dem Lieutenant derb das Wort ab,
umrundete den für seine Verhältnisse klapperdürren Mann. Unvorstellbar,
wie so was von der königlichen Armee dienen konnte. "Und wo ist der
Captain?"
"Im Gefängnis!"
"Wo?"
"Im Gefängnis, Mylord!" Die Gestalt des Lieutenant strafte sich.
"Und weshalb sitzt ein Offizier ihrer Majestät im Gefängnis?"
"Er hat sich geweigert einen Befehl auszuführen."
"Was für einen Befehl? - Muß man ihnen denn alles aus der Nase ziehen?"
"Auf konspirative Elemente zu schießen."
Der Kanzler schaute Barclay zweifelnd an. "Das sind aber sicher nicht ihre Worte, oder."
"Mit Verlaub, Mylord, die des Gouverneurs." Ein stolzes Lächeln, daß er
sich diese Formulierung gemerkt hatte, zierte das Gesicht des jungen
Lieutenants.
"Und wer waren diese.... Elemente."
"Alles Sandokans Leute."
"Und das sind die, die jetzt hier die Gefängnisse überfüllen?"
"Nun, ...einige sind uns entkommen!"
"Wissen sie überhaupt, was sie da sagen, Mann?"
Warum sollte Reginald Barclay nicht wissen, was er sagte, schließlich
hatte er es gesagt, und konnte sich auch daran erinnern.... Er
überlegte noch, was mit dieser Frage wohl gemeint war, da kam ihm der
Lord bereits mit einer Antwort zuvor.
"In den Gefängnissen sitzen nur Frauen und Kinder! Sind das ihre
Verräter? Was hat sich der Gouverneur dabei gedacht!" herrschte ihn
John Martok an und sein tiefer Baß ließ das ganze Haus erzittern.
"Holen sie mir Picard her und lassen sie die Leute aus den
Gefängnissen."
Reginald Barclay wich zur Tür zurück, ergriff zitternd die Klinke und
wäre beinahe mit Colonel O'Neill zusammengestoßen, der sich angeschickt
hatte zu klopfen, als die Tür geöffnet wurde.
"Was gefunden, Colonel?"
"Nichts Mylord."
"Schauen sie sich das an." Lord Martok reichte dem Colonel einige
Papiere. "Haftbefehle von angesehenen Bürgern, unter anderem von einer
Lady, zudem noch Portugiesin, mit einem Niederländer verheiratet." Der
Kanzler schüttelte den Kopf. " Kein Wunder, daß die britische Regierung
von allen Seiten bedrängt wird. Und nirgends einen Hinweis auf einen
Beweis. Was hat er sich nur dabei gedacht?"
Es klopfte und Captain Picard, dem man außer an seiner desolaten
Uniform, den Aufenthalt im Gefängnis nicht ansah, wurde hereingeführt.
Ohne Umschweife reichte ihm der Kanzler die Hand und stellte sich und
den Colonel vor.
"Captain, wir haben bereits gehört, warum man sie suspendiert hat. Mich
würde interessieren, wie es dazu gekommen ist." John G. Martok ließ
sich wieder hinter den Schreibtisch des Gouverneurs auf dem Sessel
nieder.
Nachdrucksvoll musterte Picard den Lord Kanzler "Darf ich vorerst eine Bitte äußern, Mylord?"
"Um was handelt es sich."
"Meine Familie. Ich hätte gerne gewußt wie es ihnen geht."
"Colonel, sorgen sie dafür, daß das erledigt wird. - Und nun erzählen sie mal."
Während Colonel O'Neill dem Posten vor der Tür Anweisung gab, die
Familie des Captains ausfindig zu machen und hierher zu bringen,
berichtete Picard von dem Angriff Sandokans auf den Gouverneur hier in
diesem Zimmer und wie seine Truppen anschließend ganz Kuching
durchsucht hatten und jeden Verdächtigen festnahmen.
"...Ich habe bereits zu diesem Zeitpunkt den Gouverneur davon in
Kenntnis gesetzt, daß dies eine unnütze Aktion wäre, da Sandokans
Spione sicher schon gewarnt und geflüchtet waren. Aber er bestand
darauf, die Spur der Geflüchteten zu verfolgen und ein gewisser Haako
unter den Gefangenen verriet, gegen einen Preis, ein geheimes Lager, wo
wir außer auf die Flüchtlinge, noch auf lang gesuchte Mitstreiter von
Sandokan trafen. Der Gouverneur gab Befehl alle zu töten und dies hielt
ich für ungerechtfertigt, da die meisten, die sich in den Höhlen
versteckt hielten, Frauen und Kinder waren. Ich habe mich geweigert
diesen Befehl auszuführen und das würde ich jederzeit wieder tun. Als
britischer Offizier...."
"Danke Captain! Das reicht mir!" stoppte der Lord die Schilderung des
Captains und erhob sich. "Sie sind ab sofort wieder in ihren Dienstgrad
als Captain eingesetzt. Ruhen sie sich aus und kümmern sie sich um ihre
Familie. Ich denke, es wird noch einiges auf uns zukommen. Danke
Captain."
Picard salutierte ehrenvoll und verließ, gefolgt von der Ordonnanz, den Raum.
"Colonel, wo ist der Gouverneur jetzt." Der Kanzler wandte sich der Karte hinter ihm zu.
"Er befindet sich genau zwischen Kuching und Tapedu. Östlich und
westlich von ihm lagern die Leute von Sandokan, wenn die Berichte
stimmen."
Der Kanzler blickte mit verkniffenem Gesicht auf das Stück Papier, für
welches schon so viele ihr Leben lassen mußten "Haben sie sich schon
einmal überlegt, was geschieht, wenn das gesamte malaiische Volk sich
gegen uns erhebt?" Er blickte auf den in vielen Kämpfen ausgezeichneten
Mann. Auf ein schmales Gesicht, mit ernsten, aber immer wachsamen
Augen. Irgendwann würde er sicher mal Admiral sein, da war sich der
Kanzler sicher.
"Man wird uns überrennen, egal wie viele Verluste die Bevölkerung hinnehmen muß."
"Genau! Und das darf nicht passieren. Wir müssen diesen Kampf so schnell wie möglich und undramatisch beenden."
"Mit Verlaub, Mylord, aber für die Aufrechterhaltung der Interessen der britischen Krone, wäre eine friedliche Lösung besser."
"Da haben sie Recht, Colonel. Aber ich denke, da hat uns der Gouverneur
einen Strich durch die Rechung gemacht. Das wird nun nicht mehr möglich
sein. Und auch die von Henry Gowron geschlossenen Kontrakte, werden
dies nicht verhindern können, denn sie sind durch die vom neuen
Gouverneur beschlossenen ungültig und müßten neu ratifiziert werden.
Außerdem war ihre Majestät von den von Henry Gowron beschlossenen
Übereinkünften auch nicht gänzlich überzeugt. Also lassen sie uns erst
mal dieses Problem hier klären und dann mit dem Gouverneur reden."
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Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 30. Dezember 2007 )
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