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Himmel über Sarawak PDF Drucken E-Mail
Inhalt
Himmel über Sarawak
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 29
Kapitel 30
Kapitel 31
Kapitel 32
Kapitel 33
Kapitel 34
Kapitel 35
Kapitel 36
Kapitel 37
Kapitel 38
Kapitel 39
Kapitel 40
Kapitel 41
Kapitel 42
Kapitel 43
Kapitel 44
Kapitel 45
Kapitel 46
Kapitel 47
Kapitel 48
Kapitel 49
Kapitel 50
Kapitel 51
Kapitel 52

sundown01"Wir stehen hier, dort sind Sabau und seine Leute und hier die Truppen des Gouverneurs." Yanez de Gomera kniete auf dem Boden und zeichnete mit einem abgebrochenen Ast, die Stellungen der jeweiligen Gruppen im Verhältnis zueinander in den staubigen Untergrund. "Angenommen wir greifen an, dann hätten wir keine Möglichkeit uns zurückzuziehen. Das Gelände ist zu offen."
"Aber wenn wir nicht angreifen, hat der Gouverneur Gelegenheit, noch mehr Leute heranzuziehen, deren Zahl uns dann weit überlegen ist." Li Lian Jie schaute skeptisch auf das künstlerisch recht einfache Sandgemälde. Sein Blick glitt über das unter den Bäumen weitverstreute Feldlager, welches mehr aus, vor den britischen Soldaten flüchtenden Familien bestand, als aus Kämpfern. Wirklich, Li hatte so etwas noch nicht erlebt...
"Wir sollten die Frauen und Kinder hier wegbringen, den Feind umgehen und angreifen, wenn sein Gesicht der Sonne zugewandt ist."
"Wir sollten noch warten, Ulzana!" Yanez erhob sich und schaute mit zusammengekniffenen Augen auf seine Begleiter.
"Yanez, du kannst nicht warten, bis Sandokan hier ist. Dann könnte es zu spät sein." Kammamuri's Hand legte sich schwer auf seine Schulter.
"Wir warten noch."
Li schüttelte den Kopf und seine schmalen Augen verengten sich voller Ungeduld noch mehr. "Wie lange? - Bis sie uns angreifen?"
"Wir warten!" Yanez blieb eisern. Alle dachten das gleiche, aber niemand wagte es auszusprechen, nur ihren Gesichtern konnte man es entnehmen: Was, wenn sie umsonst auf Sandokan warteten...
Zwischen den länger werdenden Schatten der Bäume entstand Bewegung. Menschen liefen zusammen. Yanez konnte ein Pferd ausmachen, und seine Miene erhellte sich. Genau im richtigen Moment, natürlich, wie immer, dachte er und spürte, wie sich doch eine gewisse Erleichterung seiner bemächtigte.
"Sandokan, endlich!" Yanez ging ihm entgegen.
"Wir hatten leider nur ein Pferd."
Leichtfüßig sprang Sandokan vom Pferd und hob seine Begleiterin herunter.
Kammamuri und Yanez wechselten einen kurzen Blick. Denn so wie er sie bei der Hand hielt und jetzt freudestrahlend auf Yanez zukam, war das etwas schon lange nicht mehr gesehnes....
"Ich weiß, mein Bruder, du hast dir Sorgen gemacht! - Wie immer!" Sandokan umarmte Yanez herzlich. "Darf ich dir deine Nichte Christina vorstellen." Sandokan machte einen Schritt zur Seite.
Yanez musterte die Frau, dessen lange dunkelbraunen Haare mit einem Band zusammengalten wurden. Ihre feine Bluse, war voller Falten und ebenso ihr Rock. Aber am auffälligsten waren ihren großen braunen Augen, an denen sein Blick haften blieb und die ihn fragend anstarrten.
"Musterung beendet?" Ihre Stimme hatte einen angenehm warmen Ton.
"Ja,...ich denke schon! - Ich habe schon gehört, daß du streitlustig und unnachgiebig bist."
"Das muß in der Familie liegen." bemerkte Sandokan mit hochgezogenen Augenbrauen und erntete einen schiefen Blick von Yanez.
"Komm her." Yanez umarmte seine Verwandte. "Das letzte mal als ich dich gesehen habe, hat deine Mutter dich noch auf dem Arm getragen."
"Daran kann ich mich nicht erinnern, Onkel."
Yanez machte ein etwas erschrockenes Gesicht. Also an Vater hatte er sich ja inzwischen gewöhnt, aber Onkel....
"Was ist?" fragte Christina und schaute in die verkniffenen, ausdrucksstarken Gesichtszüge.
"Nun, das mit dem Onkel lassen wir mal lieber, das macht irgendwie...alt." Er verzog den Mund.
"Aber nicht doch, du bist jünger als mein Vater. Du könntest mein Bruder sein."
Yanez schaute abschätzend auf sie herab und dann in die Runde seiner Kumpane. "Habt ihr das gehört? - Warum macht keiner von euch mir solche Komplimente?"
"Ich wüßte nur eine Person hier, die es würdig ist, Komplimente zu bekommen: Misses van Henning." Kammamuri ergriff Christinas Hand und küßte sie übertrieben unterwürfig.
"Wenn wir jetzt das Begrüßungsritual hinter uns gebracht haben, würde ich gerne wissen, warum hier so viele Frauen und Kinder sind." Sandokan war neben Yanez getreten und hatte ihm die Hand auf die Schulter gelegt. Das freudige Leuchten in seinen Augen war einem sorgenvollen gewichen.
"Das sind Flüchtlinge. Die Truppen des Gouverneurs machen bei der Jagd auf euch..." Yanez' Blick glitt kurz zu seiner rechten Seite, an der Christina stand. "....vor nichts halt. Alle Verdächtigen werden eingesperrt, jeder der sich wehrt, oder flüchtet wird erschossen, ihre Häuser niedergebrannt. Die meisten sind aus Kuching und hatten Glück, daß sie auf Maximus und Ulzana trafen..."
"Aus Kuching! Was ist mit Ray...?" Christinas Herz krampfte sich zusammen.
Yanez sah die Sorge in ihren Augen und umfaßte ihre Schulter. "Alles in Ordnung. Er ist hier bei uns, gerade unterwegs zu Sabaus Leuten, die lagern westlich von uns. Vor Sonnenuntergang wird er wieder hier sein. Seine Familie ist im Dorf von Sabau geblieben. Da werden wir die anderen Flüchtlinge auch hinbringen."
"Was ist passiert Ulzana und wo ist Maximus?" Die Frage lastete unheilschwanger über ihnen. Sandokan schaute zu dem schweigenden Mann, der jetzt wie aus einer Trance erwachend, seinen Kopf wandte. "Das Waffenlager in den südlichen Höhlen ist verraten worden. Viele haben ihr Leben gelassen...unter ihnen Maximus von der Hand des Verräters."
Stille senkte sich für Sekunden über die kleine Gruppe. Sandokan tauschte einen kurzen Blick mit Yanez. "Wer war der Verräter?"
Yanez Stirn verwandelte sich in ein Gebirge "Haako."
"Haako...?" echote Christina. Sie konnte es nicht fassen. Er hatte auf sie immer einen rechtschaffenen, ehrlichen Eindruck gemacht...
"Maximus' letzten Worte galten dir, Sandokan." In den schwarzen Augen von Ulzana konnte man die Bereitschaft zum Kampf erkennen: Sie sagten, daß nichts und niemand ihn daran hindern würden, seinen Freund zu rächen. " Er sagte, du sollst es beenden!"
Sandokan trat langsam auf den immer ernsten Mann zu, dessen Herkunft ihm so unbekannt war, wie das seiner meisten anderen Gefährten, unter die sich ein neues Gesicht gemischt hatte, bei dem es sich um Kammamuris Freund, Li Lian Jie handeln mußte. Er hielt dem großen, kräftigen Mann, der Maximus wie einen Schatten überall hin begleitete hatte, seinen Arm hin, den dieser mit einer schnellen Bewegung ergriff und kraftvoll umschloß.
"Wir werden es gemeinsam beenden, Ulzana!"


Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 30. Dezember 2007 )
 
 
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