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Seite 33 von 53
Sein Kurzschwert wirbelte im Strahl der untergehenden Sonne herum und
schlitzte, ohne daß der Soldat noch einen Gedanken an einen tödlichen
Schrei verschwenden konnte, seinen Bauch auf. Er hieb mit der gleichen
Drehung dem nächsten Gegner seinen Ellenbogen ins Gesicht und
durchtrennte dessen Halsschlagader. Er drehte sich langsam im Kreis.
Nichts war mehr auszumachen in dem diffusen Licht zwischen den Bäumen.
Irgendwo weiter vorne war Ulzana und auf seiner linken Seite war Li im
Dschungel verschwunden. Die Nachhut bildete Haako mit seinen Leuten.
Von fern hörte man den Kampflärm, den die beiden anderen Gruppen
machten.
Maximus gab ein Handzeichen. Langsam und mit blassen Gesichtern schoben
sich die Frauen und Kinder an ihm vorbei, den Blick abgewendet von den
toten Soldaten, deren Blut die trockenen Erde tränkte. Maximus blickte
sich um, wo war Haako geblieben, er sollte doch den Schluß bilden. Er
lief geduckt zurück. Plötzlich stürmte Li aus dem Gebüsch neben ihm,
sprang über ihn hinweg und verschwand hinter einem Strauch, nur um
gleich drauf wieder herauszustürzen, mit blutigem Säbel in der Hand.
"Eine Falle Maximus. Sie haben nur auf uns gewartet!" Maximus hastete
hinter den Flüchtlingen hinterher "Lauft in den Dschungel. So schnell
ihr könnt!"
Da erschollen auch schon die ersten Gewehrsalven, sie kamen links und
rechts aus den Bäumen. Maximus und Li warfen sich auf den Boden. Die
Soldaten stürmten auf sie zu. Darauf hatte Ulzana nur gewartet. Der
große Mann stand urplötzlich hinter ihnen und fegte drei von ihnen von
den Füßen. Maximus stürmte ihm entgegen. Ohne seinen Schritt zu
verlangsamen, streckte er jeden nieder, der sich ihm in den Weg zu
stellen wagte. "Hier entlang!"
Kreischend und schreiend liefen die Frauen mit ihren Kindern zurück in
seine Richtung. Einige stolperten und fielen. Ihre Gebeine würden für
immer an diesem Ort ruhen. Zeugnis sinnlosen Abschlachtens.
Maximus wich dem Stoß eines Degens eines berittenen Reiters aus, griff
in die Klinge und zog ihn kurzerhand vom Pferd. Ohne Mitleid stieß sein
Schwert in das Herz des Gegners. Er duckte sich, als er ein Sausen
hörte und stach unter seinem linken Arm hindurch sein Schwert einem
Feind in den Unterleib, der erstaunt nach vorne überkippte.
Maximus folgte den Flüchtenden. Li fand sich an seiner Seite wieder.
Der Dschungel wurde dichter, ein Fortkommen schwieriger. Hinter sich
hörten sie das Laufen und Keuchen ihrer Gegner, die Schwierigkeiten
hatten, in dem dunkler werdenden Tageslicht, geblendet von der
untergehrenden Sonne, nicht die Orientierung zu verlieren.
"Wie viele haben wir verloren?" fragte Maximus Li, dessen weite Robe zerrissen und blutig war.
"Und wenn es nur einer wäre, so wäre es einer zuviel." Der Chinese
blickte in das starre Gesicht von Maximus, welches aus Stein gemeißelt
schien.
Sie wurden langsamer. Die umgeknickten Pflanzen vor ihnen wiesen ihnen
den Weg, den Ulzana die kleine Gruppe von einfachen friedlichen
Menschen geführt hatte. Sie holten ein paar Nachzügler ein, die sich
einfach an einen Baum gelehnt hatten und nicht mehr weiter wollten. Sie
trieben die Frauen und Männer an, die wohl nichts mehr zu verlieren
hatten, da alles, was ihnen etwas bedeutet hatte, vor wenigen Minuten
genommen worden war.
Sie erreichten eine kleine Lichtung, wo Ulzana die wenigen Überlebenden um sich geschart hatte.
"Weniger als die Hälfte!" flüsterte Maximus und schaute in
ausdruckslose Gesichter. "Wir werden weiter gehen, bis wir gar nichts
mehr sehen können. Ulzana, du übernimmst die Führung."
"Es ist gleich dunkel Maximus und das Gebiet ist von Sümpfen durchzogen."
"Wir haben keine andere Wahl."
Die Gruppe setzte ihren Weg fort, durch das Labyrinth aus Bäumen und
Sträuchern, die wie Arme nach ihnen griffen und unheilvolle Schatten
warfen.
Eine Bewegung am Rande seines Gesichtfeldes ließ Maximus herumfahren
und in Angriffshaltung gehen. Durch das Dickicht kam Haako ziemlich
lautstark auf ihn zugestapft.
Li zog verächtlich die Brauen in die Höhe.
Maximus entspannte sich "Wo warst du Haako?"
Ganz außer Atem antwortete der hagere Mann: "Meine Leute sind alle tot. Plötzlich waren überall Soldaten..."
"Was ist das?" Li zog einen halboffenen Beutel aus Haakos Hose, aus dem
es verführerisch glimmte. Der Lederbeutel fiel auf den Boden und
Goldstücke landeten im Sand.
Haako bückte sich und sammelte sie hastig ein. "Die habe ich gefunden...bei einem Soldaten!"
"Es ist mir neu, daß der Sold bei den Briten so gut ist!" erwiderte Li zynisch.
Maximus schaute angewidert auf den Mann, der hektisch nach seinem Gold
schnappte. "Wofür hast du es bekommen? - Hast du ihnen gesagt, was wir
vorhaben? Für ein paar Goldstücke!?" Der Spanier trat auf die Finger
des Mannes, der gerade nach einem Stück Metall zu Maximus Füßen greifen
wollte. Er jaulte jämmerlich auf und krümmte sich wie ein Wurm.
Li zog seinen Säbel "Dort wo du jetzt hingehst, wirst du es nicht mehr brauchen!".
Haako blinzelte sie beide an und eine plötzliche Wut stand in seinem
Gesicht. Etwas blitzte in seiner Hand und es war kein Goldstück. Er
warf sich nach vorne und ein Messer durchdrang die Brust von Maximus
und ließ ihn zurücktaumeln. "Für dich, bekam ich es!" schrie Haako
noch, als bereits ein Schwall Blut aus seinem Mund strömte und eine
Klinge seine Kehle von hinten durchstieß.
Maximus ging in die Knie. Ein stechender Schmerz ließ ihn das Luft
holen schwer werden. Vor seinen Augen tanzten bunte Kreise. Kräftige
Hände hoben ihn hoch und lehnten ihn gegen einen Baum. Er sah das
Gesicht von Ulzana, der sich über ihn beugte, seine Lippen bewegten
sich, Maximus bemühte sich, ihn zu verstehen, aber da war nur ein
Rauschen... Und plötzlich, hinter all diesen Eindrücken erspähte er das
Sonnenlicht auf einer alten Ziegelmauer... er sah ein schwarzes Holztor
in der Wand...das Tor öffnete sich nun auf ein Feld jenseits davon...
er streckte die Hand aus....Starke Finger umgriffen sie, er hörte
seinen Namen, blinzelte...
"Maximus, du mußt ruhig liegen bleiben." Ulzana beugte sich über ihn
und untersuchte die Wunde, aus der er das Messer gezogen hatte. Es
hatte die Lunge durchstoßen. Er verblutete innerlich und Ulzana las in
den Augen seines Freundes, der ihn anlächelte, daß er es wußte.
"Ulzana, mein Freund, es ist vorbei."
Maximus sah seine eigene Hand auf der Tür aus schwarzem Holz und schob
sie auf...das sonnenwarme Weizenfeld, die gewundene Landstrasse neben
der Zypresse...vor ihm ging eine Frau, und ein Kind lief...sie schauten
zurück, seine Frau lächelte warm...die Geräusche der Füße des Kindes
auf der Straße drangen als Echo an seine Ohren und...erinnerten ihn an
etwas, was er noch vergessen hatte...
Ein schwerer Atemzug hob seine Brust. "Ulzana ..." flüsterte er
"...bring die Leute nach Hause... und sage Sandokan...sage ihm, er soll
es beenden..."
Maximus ging durch das Weizenfeld und ließ die Halme der prallen Ähren
durch seine Finger streichen...Die anmutige Frau blieb stehen und
drehte sich um. Sie rief ihren Jungen, der ebenfalls stehenblieb und
zurückschaute. Dann lief er auf der Straße zurück, auf den Mann im
Weizenfeld zu, seinen Vater, der endlich heimgekommen war.
Maximus Decimus Meridas' Augen brachen. Ulzana ließ die kraftlos
gewordene Hand des Freundes los und schloß ihm die Lider. "Wir sehen
uns wieder, mein Freund. - Aber noch nicht gleich!"
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Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 30. Dezember 2007 )
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