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Himmel über Sarawak PDF Drucken E-Mail
Inhalt
Himmel über Sarawak
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 29
Kapitel 30
Kapitel 31
Kapitel 32
Kapitel 33
Kapitel 34
Kapitel 35
Kapitel 36
Kapitel 37
Kapitel 38
Kapitel 39
Kapitel 40
Kapitel 41
Kapitel 42
Kapitel 43
Kapitel 44
Kapitel 45
Kapitel 46
Kapitel 47
Kapitel 48
Kapitel 49
Kapitel 50
Kapitel 51
Kapitel 52

sundown01 Das Bad hatte gutgetan. Sie fühlte sich erfrischt. Von ihr aus hätten sie weiterreiten können, aber wenn es dunkel wurde, war das vielleicht nicht ganz so angenehm. Sie befühlte ihre Garderobe, die über einen Baum hing und schon fast wieder trocken war. "Wo sind wir?" fragte Christina van Henning spontan Sandokan, der die schattige Uferböschung des kleinen Sees heraufkam, was ihr eins ums andere Mal Gelegenheit gab, ihn etwas intensiver zu betrachten. Er hatte sich sein Hemd noch nicht angezogen und seine nassen Haare hafteten an der nackten Haut.
"Wir haben einen weiten Bogen um Kuching gemacht. Wenn wir weiter gehen, kreuzen wir die Straße nach Engkilili."
Es kommt mir vor, als hätten wir schon ganz Sarawak durchquert."
Christina bekam keine Erwiderung darauf. So in der Art waren die letzten Stunden verlaufen: Recht einsilbig. Er ignorierte sie.
Christina zuckte die Schultern und seufzte. Zumindest stand er genau in ihrer Blickrichtung und machte Anstalten sein Hemd anzuziehen. Schade, dachte sie, und rief sich innerlich, aber eher halbherzig, zur Ordnung. Es wäre sicher besser für sie, sich der Schönheit der hiesigen Flora zuzuwenden, anstatt der männlichen Wesen, die sie durchstreiften, aber trotz alledem: In dem sie vorgab ihre Sachen glatt zu ziehen, schaute sie mit halbgesenktem Blick zu ihm hin. Vielleicht sollte sie zu ihm hinübergehen?... Ein verschmitztes Lächeln glitt kurz über ihre Lippen und ließ ihre Augen aufleuchten. Du bist unverbesserlich, Christina van Henning! Vor 12 Stunden bist du noch in tiefem Selbstzweifel versunken gewesen und nun war sie voller Euphorie...
"Bleiben sie wo sie sind, bewegen sie sich nicht!" zischte Sandokan ihr zu und statt seines Hemdes anzuziehen, welches er achtlos beiseite warf, griff er zu seinem Kris.
"Was ist los?`" fragte sie stirnrunzelnd.
Er legte den Finger an die Lippen und drehte sich langsam im Kreis. Seine Augen durchforschten das Dickicht des sie umgebenden Dschungels.
Christina folgte seinen Bewegungen, nichts rührte sich und ... alle Geräusche waren verstummt. Nicht ein Tierlaut war mehr zu hören.
Diese Stille war unheimlicher, als die fremden zwitschernden, zirpenden und brüllenden fernen Laute, die sonst durch diese undurchdringlichen Wälder schallten.
Ihr Pferd tänzelte unruhig hin und her. Christina zog die Decke, die ihren fast hüllenlosen, noch feuchten Körper bedeckte, fester um sich, als hätte sie damit einen größeren Schutz vor was oder wem auch immer.
Sandokan kam langsam in geduckter Haltung zu ihr rüber. Ein kaum wahrnehmbares Rascheln der Blätter, ließ seinen Blick herumfahren.
Hoch erhobenen Hauptes, geschmeidig, majestätisch, wie über den Boden schwebend, eine Pranke vor die andere setzend, betrat ein ausgewachsenes Exemplar eines Tigers die kleine Lichtung.
Christina stand genau zwischen Sandokan und diesem gewaltigen Geschöpf, daß sie aus vier Metern Entfernung beäugte. Sie mußte an sich halten, um nicht sofort die Flucht zu ergreifen. Statt dessen lehnte sie sich nach hinten an den Ast, wo ihre Kleider drauf hingen und verfluchte diesen Tag.
"Schauen sie ihm in die Augen, Christina." flüsterte Sandokan "Weichen sie seinem Blick nicht aus. Er ist nicht auf der Jagd, sonst hätte er längst angegriffen." Sandokan bewegte sich langsam zwei Schritte vorwärts. Der Tiger blickte in seine Richtung und schüttelte sein mächtiges Haupt, veränderte aber weder vorwärts noch rückwärts seine Position.
Sandokan bleib stehen. Er wußte, daß eine falsche Bewegung sofort zu einem Angriff führen konnte. Sie befanden sich vielleicht in seinem Revier, an seinem bevorzugten Ruheplatz, an seiner Wasserstelle, oder er war einfach nur neugierig gewesen.
Christina blickte in ein Paar bernsteinfarbene Augen, die sie zurück anstarrten, zu mustern schienen, abschätzend, ob sich diese Beute lohnte, kam es ihr in den Sinn. Mit einer Klarheit, so als wenn sie eine Situation beschreiben würde, ohne daran beteiligt zu sein, wußte sie, daß sie keine Chance hatte, wenn das mächtige Tier sich überlegte, sie anzufallen.
Die Katze schüttelte ihr mächtiges Haupt und Christinas Herzschlag setzte für Sekundenbruchteile aus. Sie hatte jegliches Zeitgefühl verloren und schien wie erstarrt. Ihre Gliedmaßen spürte sie nicht mehr, auch nicht den unebenen Ast, gegen den sich ihr Rücken drückte.
Das Geschöpf des Dschungels traf eine Entscheidung. Abrupt wandte sich das mächtige Tier ab und verschwand wie eine Fata Morgana zwischen den Blättern, so als wäre es nie dagewesen.
Es dauerte drei Sekunden bis Christinas Bewußtsein registrierte, daß der Tiger verschwunden war. Sie holte tief Luft, so als wäre sie am Ertrinken gewesen. Ihr war ein wenig schwindelig und ihre Beine drohten unter ihr nachzugeben. Die Decke, die verborgen hatte, daß sie nur ihr Unterkleid trug, fiel achtlos zu Boden. Sie griff mit der Hand an den Ast hinter sich. Sandokan fing sie auf.
"Alles in Ordnung, er ist weg."
Christina schloß für einen Moment die Augen, als sie seinen sicheren Halt spürte.
Die normalen Geräusche des Dschungels umgaben sie wieder und sie hatten sich nie so wunderschön und friedlich angehört, wie jetzt. "Habe ich das nur geträumt? - Das wird mir niemand glauben!" brach es aufgeregt aus ihr heraus.
"Dann hätten wir beide geträumt." Sandokan lächelte leicht.
Sie schaute in seine Augen. Sie versuchte darin zu lesen, was sie zu ihr sagten. Sie spürte plötzlich ihre Hände, die auf seiner entblößten Brust ruhten. Sie spürte seinen Herzschlag, jeden Atemzug, den er tat. Etwas in ihren Ausdruck mußte sich dermaßen verändert haben, daß er fragend die Augenbrauen hob, aber sie gab ihm nichts, worauf er hätte mit Worten antworten können. Statt dessen musterte sie immer wieder den Teil von ihm, den sie sehen konnte, seine Augen, seine Lippen, die immer einen leicht spöttischen Zug zu haben schienen, seine breiten Schultern, die starken Arme, seine kräftige Brust... Sie zog mit dem Finger eine schmale Narbe nach. Sein starrer Blick folgte ihrer sanften Berührung.
Christinas Augen schauten zu ihm auf. Langsam lehnte sie sich an ihn. Ihre Hände umschlossen seinen Nacken. Sie hob ihren Kopf, beugte sich ihm entgegen. Ihre Lippen öffneten sich und berührten mit leichten Druck die seinen, nur kurz, kaum merklich. Seine Augen spiegelten eine rätselhafte Unruhe wieder.
Sie lehnte sich fester an ihn und ihre Lippen verweilten diesmal länger auf den seinen. Mit einer Kraft, die ihr den Atem raubte, spürte sie plötzlich den festen Druck seiner Hände in ihrer Taille, seine Lippen, die fest die ihren umschlossen und zu mehr einluden.
Schwindel erfaßte sie. Ihr Atemzüge wurden schnell und kurz. Sie spürte seine Erregung, ihre eigene...Und plötzlich lösten sich seine Lippen von den ihren und sein Körper entzog sich ihr.. Verwirrt und vollkommen gefangen im Taumel ihrer Empfindungen blinzelte sie ihn an.
Er atmete schwer, seine Augen glitten an ihr hinab und verweilten dann auf ihren Gesicht, dessen Konturen er mit seinen Blicken nachzog. Seine Finger berührten ihre Lippen ...zogen sie dann, als hätte er sich verbrannt, zurück. Er trat rückwärts und wandte sich um. Schritt dorthin, wo sein Hemd achtlos auf dem Boden lag.
Plötzlicher Zorn erfaßte Christina. Oh nein, dachte sie, so nicht!
"Wovor hast du Angst? - Deine Gefühle zu zeigen, ihnen freien Lauf zu lassen, sie nicht mehr kontrollieren zu können?" Sie ging ihm nach, voller Empörung über diese Narretei, mit denen er sich und anderen wehtat. Wenn er meinte, sie würde das auf sich beruhen lassen, so hatte er sich getäuscht. Das würde sie jetzt bis zum Ende ausfechten, egal wie es ausgehen würde.
"Der große Tiger von Malaysia! Barmherzig, gerecht, kämpft für die Unterdrückten und dann spielt er mit den Gefühlen anderer, ohne sich bewußt zu sein, wie verletzend er ist. Wenn die Liebe ein Gegner wäre, den man mit dem Schwert bekämpfen könnte, hättest du alles daran gesetzt sie zu vernichten. Aber Gefühle kann man nicht so ohne weiteres auslöschen und kontrollieren, verbannen, vergessen. Das müßtest du doch am besten wissen?!"
Er drehte ihr den Rücken zu, hielt sein Hemd locker in der Hand.
Christinas Stimme wurde ruhiger, aber nicht weniger eindringlich. "Du hast sie geliebt und sie hat dich über alles geliebt, so sehr, daß sie ihr Leben für deines gegeben hat. Sie hat entschieden, daß dein Leben weitergehen soll, aber du hast vergessen zu leben. - Hast du dich gefragt, ob sie es nachvollziehen kann, wie du lebst? Hätte sie es so gewollt? Daß du nur dem Haß nachjagst und der Rache? Was ist mit Freude, Glück und Liebe, die Dinge, die Mariannas Leben erfüllt haben, für die sie gestorben ist? Ehrst du so ihr Andenken?"
Sandokan wandte sich langsam zu ihr um. Abschätzend musterte er sie. "Das kannst du nicht beurteilen."
Christina trat näher auf ihn zu und stemmte die Hände provozierend in die Hüften. "Aber du kannst es beurteilen? - Du, dessen Gedanken nur beim Tod sind, die nur zurückschauen, statt nach vorne, aus Furcht wieder verlieren zu können, was einem lieb und teuer ist! Aber das ist das Leben, Sandokan, und es ist das, was uns stark macht, trotz alledem aufzustehen und weiterzumachen, was auch geschehen ist. Aber ein Teil von dir tut das nicht, ein wichtiger Teil deiner Seele."
Seine Augen ruhten unverwandt auf ihr, aber hörten seine Ohren und sein Verstand auch was sie sagte? - Nichts, keine Regung, deutete darauf hin. Christina trat noch näher und berührte ihn leicht an der Schulter. "Egal was dir noch wiederfährt im Leben, egal, ob du Glück oder Schmerz empfinden wirst, Marianna wird immer ein Teil deines Lebens sein, deine Angst sie zu vergessen ist unberechtigt, das wird nie geschehen. So wie du ihr Leben verändert hast, so hat sie dein Leben verändert und ein Teil von ihr wird immer in dir sein, egal wo du bist und was du empfindest, und niemand und nichts wird dieses Gefühl für sie in dir zerstören können."
Sein Blick schien sie überhaupt nicht zu erreichen oder weit in die Ferne zu gehen... Ja...das war es dann wohl. Die dunkle Wolke in Christina hatte sich verzogen und war einem diffusen Etwas gewichen, daß sie selber noch nicht einzuordnen wußte. Jedenfalls gab es nichts mehr zu sagen und ob sie etwas damit bewegt hatte, konnte sie auch nicht feststellen. Zögerlich zog sie ihre Hand zurück. Dabei fiel ihr auf, daß sie ja immer noch in ihrem Unterkleid hier herumlief. Sicher nicht sehr passend für ein solches Gespräch.
Sie wandte sich um. Vielleicht hatte sie ja mal wieder zuviel gesagt, aber nun war es zu spät, passiert, es sollte halt so sein...
Sie spürte einen festen Griff an ihrem Arm, ihre Füße bewegten sich automatisch in die gezogene Richtung. Bis ihr klar wurde, was da geschah, spürte ihr Mund bereits die intensive Berührung von Lippen auf den ihren. Kräftige Hände legten sich um sie und zogen sie gegen einen warmen, festen Körper.
Ihre Finger glitten über seinen Rücken, versuchend ihn noch näher an sich zu ziehen. Ein kurzer Gedanke kämpfte sich durch eine neblige Wolke, die alles um sie herum vergessen ließ.. 'Wo sollte das hinführen?'... zerschmolz aber wie Schnee unter den ersten Sonnenstrahlen des Frühlings, als seine Lippen ihren Nacken berührten und seine Hände den Weg von der Taille abwärts fanden.
Christina hatte das Gefühl ein Feuer würde in ihr brennen. Ihre Hände glitten an dem Band seiner Hose entlang, bekamen das Ende zu fassen und zogen daran... Er ergriff ihre Handgelenke, hielt sie zurück, suchte ihren Blick, forschend, fragend, ob sie so weit gehen wollte... Natürlich wollte sie, und sie konnte auch jetzt nicht mehr anders, ob es richtig war, war eine andere Sache, die aber jetzt gar keine Rolle spielte.
Christina lehnte ihren Kopf an seine Schulter, befreite sich aus seinem Griff und ihre Hände umspielten seine kräftigen Bauchmuskeln und strichen sacht an seinem Hosenbund lang, ergriffen abermals die Enden des Bandes und zogen leicht daran. Christinas Blick suchte den seinen, der ihr Gesicht entlangglitt, während sie unablässig den Knoten aufzog. Ein kleiner Widerstand zeigte ihr, daß sie das Ende des Bandes erreicht hatte und es sich öffnete. In dem Moment zog er sie an sich und ließ sie sanft zu Boden gleiten.
Sandokan beugte sich über sie. Seine Lippen berührten ihre Schläfen, küßten ihre Augenlider und fanden sich auf ihrem Mund wieder, öffneten ihre Lippen.
In ihrem ganzen Leben hatte Christina noch keinen so leidenschaftlichen Kuß erlebt. Ihre Zungen vereinigten sich in wilder ungestümer Lust und verweilten in fast vorsichtigem Kontakt. Ein Beben durchlief ihren Körper. Sie spürte nicht die harte Erde unter sich, den unebenen Boden, sie spürte nur ihn...


Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 30. Dezember 2007 )
 
 
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