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Seite 31 von 53
"Sie haben uns umzingelt!"
"Wieviel sind es?"
"Schwer zu sagen. Der Gouverneur hat die Truppen von ganz Sarawak
alarmiert. Das heißt, es könnten ständig neue Einheiten dazustoßen."
"Warum dieses Aufheben um ein paar Flüchtlinge?"
"Er wird ein Exempel statuieren, um das Land unter seine Knute zu zwingen und Sandokan damit zu einem offenen Kampf fordern."
"Ich kann mir nicht vorstellen, daß die britische Regierung tatenlos
zuschaut, immerhin war ihre Politik in den letzten Jahren sehr
tolerant."
"Das hilft uns jetzt auch nicht weiter. Wir können nicht warten, bis
der Gouverneur noch mehr Truppen heranzieht. Wir werden angreifen, von
verschiedenen Seiten."
"Mit all' den Frauen und Kindern?!" Ray Park starrte den kräftigen Mann
mit dem kurzen braunen Haaren und dem gestutzten Vollbart aufgebracht
an, dessen Blick in Richtung der feindlichen Linien ging, die sich
außerhalb des kleinen Felsentales sammelten.
"Mich würde interessieren, wer ihnen dieses versteckte Lager gezeigt
hat?!" Li Lian Jie verschränkte die Arme vor die Brust und starrte
mißtrauisch von einem zum Anderen. Er war vor zwei Tagen mit Waffen und
Munition hier angekommen, um sie in den natürlichen Höhlen zu lagern
und sich hier mit Sandokan zu treffen.
"So wie es in den Reihen der Briten Spione gibt, so gibt es auch in den
Reihen von Sandokan welche." Der große Mann mit den langen schwarzen
Haaren und der auffälligen Hautfarbe stand unbeweglich neben Li. Seinen
Augen entging nichts, was sich außerhalb des kleinen Felsenringes, der
ihnen einen einigermaßen Schutz gab, abspielte. "Bisher sind es 40
bewaffnete Männer. Wenn wir eine Chance haben, dann nördlich. Dort sind
die Reihen der Feinde offen und es ist der kürzeste Weg in den tiefen
Dschungel, wo eine Verfolgung schwierig werden wird für die Weißen. "
"Ulzana hat recht. Wir müssen uns den Weg freikämpfen, andernfalls
können wir uns höchstens für drei Tage halten, mit den Vorräten, die
wir haben. Und wir wissen nicht, wo Sandokan ist und ob sie uns
rechtzeitig erreichen." Der bärtige Mann aus Sematan, der kurz vor den
Briten mit einer Gruppe aus einfachen Landarbeitern hier eintraf, ließ
seine zusammengekniffenen Augen, in denen das Glimmen der Schlacht
loderte, über die Männer neben ihm gleiten.
"Und wie sieht dein Plan aus, Maximus?" fragte Ray Park.
"Wir teilen uns in drei Gruppen, aber nur die nördliche wird versuchen
den Feind soweit wie möglich lautlos zu umgehen und eine Schneise
freikämpfen, durch die die Frauen und Kinder entkommen können. Li,
Ulzana und ich führen die nördliche Gruppe, Ray, du nimmst die
südliche, Tialc, die westliche." Als einstiger General einer Armee,
unter einem König dem er seine Dienste verweigerte, da der durch
Vatermord an die Macht gekommen war und als Strafe Maximus Frau und
Sohn ermordete, wußte er, daß es unmöglich war, sie alle zu retten...
"Verteilt die Waffen und die Munition. Sobald alle bereit sind, werden
wir losschlagen."
Die Männer kletterten von dem kleinen Felsengrat, daß das Tal umschloß
und nur einen kleinen Durchgang offenließ. Ein ideales Versteck, da
niemand hier Höhlen vermutete, aber in diesem Fall, war es zu einem
tödlichen Hinterhalt geworden.
Jemand gesellte sich neben ihn und teilte seinen Blick über die vor ihm
liegenden offenen Baumwälder und Buschpflanzen, die zu weit
auseinanderlagen, um wirklich geeigneten Schutz zu finden.
"Wir haben die gleichen Gedanken, mein Freund." sprach Ulzana Maximus
an, den er länger kannte als Sandokan. Gemeinsam waren sie mit dem
gleichen Schiff über das Meer gekommen, wo es sie in dieses Land
verschlagen hatte.
"Ja. Wir werden nicht alle durchbringen!"
Maximus ging in die Hocke und seine Hand griff in den warmen weichen
Sand, zerrieb ihn zwischen den Handflächen. Er richtete sich wieder auf
und sein Blicke aus zusammengekniffenen Augen, schweifte über die
scheinbar friedliche, unberührte Natur, in die sich der Feind wie die
Pest verkrochen hatte und nur darauf wartete, zuschlagen zu können, um
Leben zu zerstören.
"Auch wenn wir diesen Kampf nicht gewinnen können, so sind die Zeichen
deutlich auch für die Weißen sichtbar. Lange werden sie dieses Land
nicht mehr beherrschen." sagte Ulzana stolz und bestimmt. "Ein Volk
sollte wissen, wann es besiegt ist."
Maximus schaute über die feindlichen Linien hinaus in eine unbestimmte
Ferne..."Würdest du es denn wissen, Ulzana? - Oder ich...?"
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Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 30. Dezember 2007 )
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