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Himmel über Sarawak PDF Drucken E-Mail
Inhalt
Himmel über Sarawak
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 29
Kapitel 30
Kapitel 31
Kapitel 32
Kapitel 33
Kapitel 34
Kapitel 35
Kapitel 36
Kapitel 37
Kapitel 38
Kapitel 39
Kapitel 40
Kapitel 41
Kapitel 42
Kapitel 43
Kapitel 44
Kapitel 45
Kapitel 46
Kapitel 47
Kapitel 48
Kapitel 49
Kapitel 50
Kapitel 51
Kapitel 52

sundown01Das Glitzern des Flusses Bantang Baleh in der untergehenden Sonne, warf einen rötlichen Abglanz wie ein Nachhall auf die Tragödie, die sich hier vor Stunden abgespielt haben mußte. Einzelne Überreste von Hütten schwelten noch, nichts war diesem Akt der Zerstörung entgangen, nichts noch intakt. Ein Bild der wilden Vernichtung. Eine grundlose, aus nichts begründete Tat der Gewalt an hilflosen friedlichen Bauern, deren Felder nun für immer unbearbeitet und bald wieder vom Dschungel vereinnahmt sein würden.
Wer auch immer dies getan hatte, konnte keine ehrbaren Absichten gehabt haben.
Spuren überall, die jemand versucht hatte zu verwischen, nur verstand er nicht sehr viel davon.
Der Besucher, dieses von jeglichem Leben verlassenen Ortes, stieg vom Pferd und hockte sich hin. Seine Hände zogen die Linien der Fährte nach. Seine Augen folgten den für jeden ungeübten Blick wirr erscheinenden Verlauf der Abdrücke im Sand in drei verschiedene Richtungen. Er folgte ihnen zum Fluß, vorsichtig, ohne das kleinste Geräusch, mit gezogenem Krummsäbel, wie ein Tiger, der sich an eine gewitterte Beute anschlich.
Hier hatte ein Kampf stattgefunden. Ein paar mutige Männer hatten versucht die Angreifer aufzuhalten. Er beugte sich zu dem ersten Mann herunter, der neben einem auf das Ufer gezogene kleine Fischerboot lag, welches darauf wartete, zu seinem nächsten Fischfang ins Wasser geschoben zu werden.
Ein sichernder Blick über den Sand bestätigte, was er schon vermutet hatte: Der Angriff war von hier erfolgt, lautlos, überraschend...Die tiefen Schleifspuren von mit Männern bemannten Booten, waren die noch einzigen stummen Zeugen neben den toten Verteidigern.
Er drehte den Mann um, der einfache von der Sonne gebleichte Kleidung trug. Seine Brust war von mehreren Kugeln durchlöchert, seine bunte Weste von bereits getrocknetem Blut getränkt. Dunkle, junge Augen, die gerade erst begonnen hatten diese Welt zu erforschen starrten überrascht und zweifelnd in den Himmel. Was waren wohl seine letzten Gedanken gewesen...galten sie seinem Dorf, seiner Familie, der Geliebten...
Die Hand des Fremden glitt sanft über die Augenlider des toten Mannes und bedeckte seinen letzten Blick.
Geschmeidig erhob er sich. Sein angespanntes, ernstes Gesicht suchte punktgenau den Strand ab. Sie verharrten abrupt. Im Wasser lag etwas. Es wurde leicht von den Wellen des schlammigen Bantang Baleh umspült.
Es stellte keine Schwierigkeit dar, den toten Körper ans Ufer zu ziehen. Die Kleidung war schwarz und er trug bis auf einen schmalen Schlitz für die Augen, eine ebenfalls schwarze Maske.
Es war mehr als ungewöhnlich diese Kämpfer hier zu finden. Was hatte sie ausgerechnet an diesen Ort geführt, wo es nichts von Wert gab, nichts, was es zu erobern gab.
Sein Blick blieb an den Stiefeln des Toten hängen. Mit einer schnellen Bewegung zog er dem Leichnam die Maske vom Kopf...
Ein verhaltenes Stöhnen hinter ihm ließ ihn herumfahren. Mit dem Säbel vollführte er eine kreisförmige Bewegung, bereit seinem Gegner zuvorzukommen. Aber da war kein Gegner.
Statt dessen kroch ein weißhaariger Mann aus dem Dickicht am Ufer. Durch seine Finger, die er auf seinen Bauch gepreßt hatte, tropfte Blut und hinterließ ein ungleichmäßiges Muster im hellen Sand.
Er fing den alten Mann auf, und ließ ihn langsam zu Boden gleiten. Helle klare Augen musterten ihn. Die von harter Arbeit und hohem Alter zeugenden knochigen Finger schienen in der Luft die Konturen seines Gesichtes nachzuziehen. "Du bist wieder da!"
"Ja, aber ich kam zu spät, mein Freund!" Es war diese Ruhe, mit der er es aussprach und seinen Blick schweifen ließ, die jedem Gegner das Blut zu Eis hätte gefrieren lassen.
Der alte Mann lächelte ihn an: "Nicht für das Land, Sandokan."
"Was ist passiert?" Sandokan blickte auf die Wunde des alten Mannes, aus der unaufhörlich Blut strömte. Er wußte, daß er ihm nicht mehr helfen konnte.
"Sie kamen vom Fluß und haben die Frauen, Kinder und die Männer, die nicht verletzt waren; mitgenommen. Viele Dörfer sind bereits überfallen worden. Gouverneur Gowron war ihnen auf der Spur, aber nun, da sie ihn getötet haben, werden ihre Überfälle häufiger."
"Es sind Söldner mit britischen Gewehren, britischer Ausrüstung und Armeestiefeln." Seine Augenbrauen schoben sich dunkel, wie eine finstere Wolke über seinen Blick. Ein Schatten aus längst vergangener Zeit schien sich über sie zu legen.
Der alte Mann berührte ihn am Arm: "Wir haben von Geflohenen gehört, daß sie auf ein Schiff namens 'Odin' gebracht worden waren. Ein als Frachtschiff getarnter Sklavenhändler." Der alte Mann hustete und holte mit sichtlicher Anstrengung Luft.
"Warum seid ihr nicht geflohen?"
Der alte Mann schaute ihn wie von weit her an: "Dies ist unsere Heimat, hier ist alles was wir hatten ..." er hustete wieder, das Sprechen fiel ihm immer schwerer "Die Engländer sagen, daß du den Gouverneur getötet hast."
"Deshalb bin ich hier."
"Du mußt... dich vorsehen..." Seine Stimme erstarb und die letzten Strahlen der untergehenden Sonne verschwanden hinter der Undurchdringlichkeit des Dschungels.


Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 30. Dezember 2007 )
 
 
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