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"Kammamuri, ich grüße dich!" Der Mann sprang behende aus der kleinen
Schaluppe an den Strand, wo drei Wochen zuvor Kammamuri selbst von
Sandokan auf Sarawak begrüßt worden war. Der ältere Mann umarmte den
jüngeren dunkelhäutigen Kammamuri. Er selbst war ein Weißer mit einem
wettergegerbten sonnengebräunten Gesicht, daß von einem Lederhut
geschützt wurde, unter dem sich vorwitzig graue Locken seines Haares
hervorkräuselten. Seiner kräftigen drahtigen Gestalt in dem roten Hemd
und den Reithosen, sah man die 60 Jahre nicht an. "Wo ist Sandokan?"
"Nun, wie immer auf einer gefährlichen Exkursion. Deshalb schickt er mich, um dich hier abzuholen, Yanez."
"Was ist passiert?" Yanez de Gomerra runzelte die Stirn und schob seinen längst erkalteten Zigarillo in den anderen Mundwinkel.
"Wir wissen von einigen befreiten Sklaven, daß ein gewisser Jerry Binks
wohl dahinter steckt. Er ist Verwalter auf den Van Hennings Plantagen."
"Aha, deshalb auch die Schiffe." Yanez verlagerte sein Gewicht und zündete seinen Zigarillo wieder an.
"Das hat Sandokan auch daraus gefolgert. Durch einen unglücklichen
Umstand, war Misses van Henning ein paar Tage unser Gast und Sandokan
beschloß, um endlich den wahren Übeltäter zu entlarven, sie als
Lockvogel zu benutzen."
Die Falten auf Yanez Stirn hatten sich während der Erklärung von
Kammamuri in eine Gebirgslandschaft verwandelt. "Das halte ich für
keine gute Idee. Ich hoffe, er ist nicht der Meinung, daß sie dahinter
steckt."
Kammamuris Gesicht zierte ein schiefes Lächeln. "Er war sehr
mißtrauisch, aber diese Möglichkeit hat er glaube ich nie in Erwägung
gezogen. Jedenfalls hat er sie zum Palast des Gouverneurs gebracht und
war sicher die ganze Zeit in ihrer Nähe. Denn seit gestern besteht ein
Haftbefehl gegen Misses van Henning. Als Komplizin von Sandokan wird
sie der Sklaverei beschuldigt."
Yanez de Gomerra vergaß um ein Haar, daß er einen Zigarillo im Mund hatte, der ihm beinahe herausgefallen wäre. "Wie das?"
"Das was wir gehört haben, ist, daß Sandokan mit ihr aus dem Palast
geflohen ist, es gab wohl einen Kampf. Wir wissen, daß er den Weg durch
den Sumpf genommen hat. Interessant ist, daß man Mr. Binks sah, wie er
sich vom Palast fortschlich. Die britische Armee hat ganz Kuching auf
den Kopf gestellt und einige Leute eingesperrt."
"Ist jemand von uns dabei?"
"Nein, sie sind alle vorher gewarnt worden."
"Gute Arbeit, Kammamuri." Yanez klopfte dem jüngeren Mann anerkennend
auf die Schulter. "Dann wissen wir ja jetzt, was wir zu tun haben! - Er
wird den alten Tempelpfad genommen haben. Hast du genügend Pferde
besorgt?"
"Es ist alles arrangiert, Yanez."
"Gut, wir laden aus und dann geht es gleich los. Die Männer konnten
sich an Bord lange genug ausruhen. - Wußtest du eigentlich, daß Misses
van Henning meine Nichte ist?"
Jetzt war es an Kammamuri, überrascht zu schauen. "Ich dachte du hättest keinen Kontakt zu deiner Familie?"
"Reiner Zufall, daß ich das erfahren habe." Yanez grinste listig. "Ich
hoffe Sandokan weiß, was er sich da aufgebürdet hat. Die weibliche
Linie in unserer Familie war von je her sehr temperamentvoll...."
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Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 30. Dezember 2007 )
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