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Seite 28 von 53
Die Luftfeuchtigkeit lastete schwer zwischen den Büschen und niedrigen
Pflanzen, die sich mühsam durch die hohe, fast geschlossene Baumdecke
ihren Weg ans Licht erkämpften.
Sein Hemd war durchnäßt, als hätte er einen Fluß durchschwommen, aber
hier gab es nur ein paar versumpfte Grundwasserpfützen und wer nicht
wußte, wo er seinen Fuß hinsetzen sollte, würde sich unweigerlich
verlaufen, oder im Sumpf stecken bleiben.
Sandokan drehte sich um und tätschelte den Hals des Braunen, der
zufrieden schnaubte. Die geringe Last, die das kräftige Tier zu tragen
hatte, merkte es kaum.
Sandokan runzelte die Stirn "Alles in Ordnung, Madam."
Christina öffnete die Augen. "Ja, ich bin nur müde."
Ihre Kleidung war nicht minder feucht wie seine. Ihre Haare fielen
dicht und schwer nach unten. Einzelne Strähnen hafteten an ihrem
Gesicht. "Es ist nicht mehr weit, dann kommen wir auf festes Gelände
und an eine Quelle."
"Ein Bad, was für eine göttliche Vorstellung." Flüsterte sie und
verdrehte die Augen. "Mußte es eigentlich ausgerechnet dieser Weg sein?"
"Ja, mußte es. Hier wird uns garantiert keiner verfolgen."
Hatte sie seine Antwort registriert? Ihr Kopf war wieder nach unten
gesunken, die Augen hatte sie geschlossen. Die Zügel lagen locker in
ihren schmalen Händen.
Eine tiefe Sorgenfalte lag auf seiner Stirn als er sich wieder dem Weg
vor ihm zuwandte. Die Sonne stand bereits hoch. Sie waren die ganze
Nacht so weit wie möglich geritten, dann wurde es zu gefährlich und
Sandokan hatte das Tier an den Zügeln geführt. Wäre er alleine, hätte
er das Tier am Dschungelrand zurückgelassen, aber mit seiner
Begleiterin und deren Bekleidung, konnte er unmöglich zu Fuß durch das
Dickicht durch.
Ein Geräusch ließ ihn herumfahren. Ganz langsam fiel Misses van Henning
zur Seite und rutschte aus dem Sattel. Mit einem Satz war er da und
fing sie auf. Ihre Augenlider flackerten und öffneten sich. "Was ist
passiert?"
"Sie sind vom Pferd gefallen!" Sandokan konnte sich einer gewissen
Belustigung nicht erwehren. Dementsprechend zweifelnd schaute sie ihn
auch an. "Lassen sie mich herunter, ich kann alleine gehen."
"Das bezweifle ich und womöglich müßte ich sie dann aus einem
Schlammloch ziehen." Eine kleine Falte bildete sich zwischen ihren
Augen, die ihn aufmüpfig anschauten. "Und auch wenn sie jetzt anfangen
zu beißen und zu kratzen, ich setze sie nicht ab."
Sandokan beachtete sie nicht weiter, band sein Pferd ganz kurz an einen
Ast, damit es nicht fehltrat und im Sumpf versank und bahnte sich einen
Weg vorsichtig durch das Dickicht. Von seiner Last kam weder einen
Gegenwehr, noch Protest, statt dessen legte sich ihr Kopf an seine
Schulter und ihr Körper wurde locker. Er hielt an und lauschte. Ihr
Atem ging ruhig und gleichmäßig. Seine Hand berührte ihre Stirn. Ihre
Haut war feucht und kalt, daß war nicht gut. Sie mußte unbedingt die
feuchten Sachen ausziehen. Ohne Rücksicht auf Äste, die gegen sein
Gesicht peitschten lief er den vertrauten und kaum auszumachenden Weg,
der bereits in ein paar Stunden für ungeübte Augen nicht mehr
auszumachen war, entlang. Einen sicheren Pfad durch den Dschungel, der
seit Jahrzehnten von denen benutzt wurde, die unter keinen Umständen
den Briten in die Hände fallen wollten. Er erreichte eine kleine
Lichtung und festen trockenen Boden. Sie hatten das Sumpfgebiet hinter
sich. Für eventuelle Verfolger war es unmöglich sie noch einzuholen.
Der Sumpf lag zwischen ihnen und Kuching....
Behutsam ließ er sie zu Boden gleiten. Sanft strich er ihr eine Strähne
aus dem Gesicht. Es war wie die Berührung einer Erinnerung aus einer
anderen Zeit. Er schaute auf dieses schlafende Antlitz...Die feinen
Linien, die hohen Wangenknochen, lange dunkle Wimpern, unter
geschwungenen Augenbrauen, volle, leicht geöffneten Lippen... Es schien
ihm, als würde er sie das erste Mal sehen.
Seine Hand wollte sie berühren, aber in einem plötzlichen Erwachen, zog er sie zurück und erhob sich abrupt.
Sandokan machte ein Feuer und verschwand dann wieder im Dickicht. Er mußte das Pferd holen, daß sie noch brauchten.
Als er mit dem Tier wieder die kleine Lichtung betrat, lag sie immer
noch unverändert da. Er legte sie auf eine Decke. Sie schien zu
schlafen, aber sie war eher einer tiefen Ohnmacht näher. Ihre Hände
waren eiskalt. Es half nichts, er mußte ihr die feuchten Sachen
ausziehen. "Sie entschuldigen, Madam, aber es muß sein." Sagte er laut
und zog ihr die nun von getrockneten Schlamm verkrusteten, kaum noch
als weiß auszumachenden Schuhe und Strümpfe aus. Als ginge es um Leben
und Tod, knöpfte er ihr voller Hast die Bluse auf und zog sie aus. Die
Häkchen an dem hohen Bund des Rockes bereiteten ihm einige
Schwierigkeiten. Warum, konnten die Weißen nicht vernünftige Kleidung
tragen und mußten sich so verpacken wie in einer Rüstung... Schließlich
hatte er es geschafft.
Er lockerte die Bänder ihrer Korsage und hüllte sie in eine Decke ein.
Ihre Sachen nahm er und hing sie über einen Ast zum Trocknen.
Eine Brosche an ihrer Bluse erregte seine Aufmerksamkeit...
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Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 30. Dezember 2007 )
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