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Seite 24 von 53
James Kirk hielt die Luft an, als sie den Salon betrat. Sie sah
umwerfender aus, als er es sich hatte vorstellen können in dem
dunkelroten Kleid, mit der tief angesetzten Taille und dem schwarzen
Spitzenbesatz an Dekoltée und Armen. Er eilte ihr entgegen und ergriff
ihren Arm, wobei er ihr einen brennenden Blick zuwarf. "Wie schade, daß
wir beim Abendessen auf diesen unvergleichlichen Anblick verzichten
mußten, aber um so erfreuter bin ich nun doch noch über dein
Erscheinen. Ich hoffe ich habe deinen Geschmack getroffen." Er ließ
seine Augen an ihr heruntergleiten.
"Als ob du täglich die Haut Coutour einer Dame auswählst, mein lieber
James." Sie lächelte ihn verschmitzt an. "Ich sehe, du hast Gäste."
Der Gouverneur wandte sich um. Es wäre ihm lieber gewesen, wenn er
heute abend keine Gäste gehabt hätte, aber sie würden ja auch wieder
gehen.
Er geleitet sie zu der kleinen Sitzgruppe. Colonel Riker begrüßte sie
mit einem erfreuten Grinsen, wohingegen seine Gattin Lady Deanna
Troi-Riker ihr lediglich zunickte und sie pikiert musterte. Bis vor ein
paar Jahren war sie eine Schönheit gewesen, nun hatte sie etwas an
Gewicht zugelegt und dieses Kleid, was jetzt Christina trug, hätte
sonst sicher sie im Mittelpunkt stehen lassen. Captain Sheridan und
seine Verlobte Miss King begrüßten sie herzlich. Die angehende Misses
Sheridan mit ihrer aufrichtigen Art, umarmte Christina sofort.
"Christina, darf ich dir Captain Picard vorstellen. Er ist unsere Verstärkung aus Beaufort."
"Madam, ich bin entzückt. Der Mann, dessen Kopf kein Haupthaar mehr
zierte, schlug die Hacken zusammen und küßte Christian genauso zackig
die Hand. Ein Gentleman alter Schule und genauso steif hielt er auch
sein Sherryglas fest.
"Misses van Henning, sie müssen uns erzählen, wie sie bei dem Überfall fliehen konnten." bestürmte Miss King sie.
Christina sah James fragend an, der sie lächelnd zu einem Sessel
geleitete. "Der Bericht von Lieutenant Barclay, der dich gefunden hat,
hat bereits in ganz Kuching seine Runde gemacht und sicher in
verschiedensten Versionen." James stützte sich hinter ihr auf die
breite Lehne.
Christina lächelte Miss King an, die ganz rote Wangen vor Aufregung hatte.
"Nun, es war Zufall. Die Banditen trafen auf einen Waffentransport von
Mr. Park und beschlossen ihn anzugreifen, hatten aber nicht mit der
heftigen Gegenwehr gerechnet und da konnte ich fliehen."
"Waren sie denn nicht gefesselt?" fragte Miss King.
"Nein, meine Liebe."
"Es ist eigentlich sehr gefährlich, was Madam van Henning gemacht hat."
erläuterte Colonel Riker besserwisserisch. "Einfach so in den Dschungel
zu reiten, ohne sich auszukennen."
"Das wird überschätzt." mischte sich nun Captain Picard ein. "Wenn sie
sich nach dem Stand der Sonne richten, kommen sie unweigerlich
irgendwann ans Meer und von dort ist es ein leichtes auf ein Dorf zu
stoßen."
"Nun, für einen Angehörigen der britischen Armee sicherlich, aber für
eine Lady..." ließ sich der Colonel vernehmen und prostete ihr zu.
"Haben sie Sandokan gesehen?" fragte Miss King nun noch aufgeregter.
"Nein!" Diese Antwort von Christina kam so abrupt und schnell, beinahe
zu schnell, daß eine Pause in das Gespräch trat und sie schon
befürchtete ihre kleine Lügengeschichte würde durchschaut werden.
"Nein, ich denke ich hab ihn nicht gesehen." setzte sie daher etwas
abschwächender hinzu.
"Woher will sie wissen, ob sie ihn gesehen hat, die Beschreibungen von
ihm sind alle sehr abweichend." bemerkte Lady Riker spitz zu ihrem
Mann, der sie nur stirnrunzelnd ansah.
"Von Lady Dora Parker. Sie kennen doch ihre Reiseberichte aus der
Zeitung. Madam van Henning ist eine Bekannte von Lady Parker." erwähnte
Stephanie King eifrig.
"Wichtig ist, daß sie wohlbehalten wieder hier ist." James ergriff
Christinas Hand und umschloß sie, womit er einen gewissen
Besitzanspruch für jeden Außenstehenden deutlich zeigte. "Und wenn wir
die Piraten besiegt haben, wird es auf den Plantagen wieder sicher
sein."
"Aber für dieses Jahr sieht es schlecht aus mit den Pflanzungen. Ihre
Arbeiter tun nicht einen Handschlag." erklärte der Colonel.
"Deshalb habe ich Verstärkung angefordert." erwiderte James.
"James! Du wirst nicht mit Waffengewalt gegen meine Leute vorgehen. Das
ist mein Land und ich lasse das nicht zu." sagte sie fest und blickte
von einem zum anderen.
"Natürlich nicht." schwächte er zärtlich ab. "Aber alleine die Präsenz
einer stärkeren Truppe wird sicher die Banditen von den Überfällen
ablenken, womit der ganze Aufruhr begonnen hat."
Die Konversation wurde abermals durch Schweigen unterbrochen, was
Captain Picard zur Gelegenheit machte, sich zu verabschieden. Die
anderen folgten seinem Beispiel.
Nachdem James seine Gäste hinausgebracht hatte, betrat er wieder den
Salon und betrachtete genüßlich das Bild, welches sich ihm bot. Sie
stand an der offenen Tür. Das Licht der Öllampen beschien ihre Gestalt.
Einer Königin gleich. Sie wandte sich ihm zu.
"Du bist unvergleichlich, selbst eine Göttin würde deiner Schönheit nicht standhalten können."
"James?"
"Ja!" er kam näher. Sein Schritt glitt über den weichen Teppich.
"Liebst du mich?"
"Natürlich Christina, wie kannst du daran zweifeln." Er ergriff ihre
Schultern und wendete sie sanft zu sich um. Zweifel stand in ihren
Augen.
Er nahm sie in seine Arme, versuchte den Impuls zu unterdrücken sie
leidenschaftlich an sich zu ziehen. Christina spürte seinen Atem, seine
Hände, die über ihrer Taille lagen, sonst spürte sie nichts. Wo war ihr
innerer Sturm geblieben, die sie bei jeder Annäherung von ihm gespürt
hatte, die ihr fast den Boden unter den Füßen weggerissen hätte, die
sie dazu hatte hinreißen lassen, Alexandre herauszufordern...
"Bitte, es ist soviel geschehen in den letzten Tagen." Sie entwand sich ihm. "Ich brauche etwas Ruhe und etwas Zeit."
Er schaute sie ernst an, versuchte etwas in ihrem ernsten Gesicht zu
lesen, daß ihm mehr sagte als ihre Worte.. "Natürlich." stieß er rasch
aus.
"Ich werde mich zurückziehen." Mit schnellen Schritten verließ sie den
Salon. Zielstrebig steuerte Christina die große Treppe zu ihrem Zimmer
an. Sie hoffte, sie konnte die Tür verriegeln. Ihre Schritte wurden
immer schneller. Morgen würde sie noch abwarten. Sie hoffte auf einen
Nachricht von Alexandre und sicher würde Mr. Binks hier erscheinen mit
einem ausführlichen Bericht. Und sie würde sich eine Unterkunft in der
Stadt suchen, um sich darüber klar zu werden, was sie von ihrem
weiteren Leben erwartete, nicht was man von ihr erwartete.
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Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 30. Dezember 2007 )
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