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Himmel über Sarawak PDF Drucken E-Mail
Inhalt
Himmel über Sarawak
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 29
Kapitel 30
Kapitel 31
Kapitel 32
Kapitel 33
Kapitel 34
Kapitel 35
Kapitel 36
Kapitel 37
Kapitel 38
Kapitel 39
Kapitel 40
Kapitel 41
Kapitel 42
Kapitel 43
Kapitel 44
Kapitel 45
Kapitel 46
Kapitel 47
Kapitel 48
Kapitel 49
Kapitel 50
Kapitel 51
Kapitel 52

sundown01"Was beschäftigt sie?" Sandokan hatte sich zu Christina umgewandt und musterte sie aufmerksam. Sie trug wieder ihre Reitkleidung, frisch gewaschen, nur die zu einem Zopf geflochtenen Haare erinnerten noch an die verzauberte Erscheinung der letzten Nacht..
Christinas Blick erwachte. Seit Stunden hatte sie ihn nichts mehr gefragt, über das Land, Sabau, Kammamuri. Dann war sie plötzlich verstummt.
"Es ist viel geschehen in den letzten Tagen..." Sie ließ diese Worte so stehen. Zahlloses ging ihr durch den Kopf, was sie nicht hätte in Worte ausdrücken können. Menschen hatten ihren Weg gekreuzt, sie war in eine gänzlich andere Welt eingedrungen, die so weit entfernt gewesen war von ihrem bisherigem Leben, wie die Sterne. Und doch...es war schmerzlich es zurückgelassen. Ein Teil von ihr sehnte sich zurück in diesen geheimnisvollen Dschungel, ein anderer wollte so schnell wie möglich die Dinge geklärt haben und ihren Besitz retten. Nein, sie würde nicht kapitulieren vor nichts und niemandem, aber sie fühlte sich müde und die paar Stunden bei diesen einfachen Menschen ließen sie jetzt noch einen angenehmen Frieden in sich spüren, der immer mehr einer angespannten Unruhe wich, je näher sie Kuching kamen. Längst hatten sie den Dschungel verlassen und auf kleinen, schmalen, versteckten Pfaden neben den von den Kolonialherren angelegten Straßen, kamen sie der von den Briten diesem Land aufgezwungenen Zivilisation unaufhaltsam näher. Sandokan stoppte abrupt und riß sie aus ihren inneren Betrachtungen...
"Eine Patrouille!" zischte er leise. "Warten sie hier." Er glitt lautlos vom Pferd und war auch schon in geduckter Haltung im Dickicht verschwunden. Stille lastete plötzlich bleischwer um sie herum. Nur das leichte Geräusch der Blätter, das leise Schnauben der Tiere und verhaltene, fremdartige Stimmen aus dem Dschungel waren noch zu hören. Christina wurde nervös. Das dauerte ihr zu lange, dabei waren erst Minuten verstrichen. Was wenn Sandokan etwas zugestoßen war, was wenn man ihn gefaßt hatte....Absurd, dachte sie! Was war nur los mit ihr. Sie holte tief Luft und tätschelte den Hals ihres Braunen.
So plötzlich wie er verschwunden war, stand er neben ihr. Sie zuckte zusammen. Ein belustigtes Schmunzeln glitt über sein Gesicht. "Ich konnte ihnen meine Rückkehr leider vorher nicht telegraphisch mitteilen."
"Schade, eigentlich!" erwiderte sie schnippisch und sich wieder vollkommen in der Gewalt habend. "Nun, ist es eine Patrouille?"
"Ja, acht Mann."
"Gut." Christina glitt entschlossen vom Pferd.
"Was haben sie vor?" Sandokans Augenbrauen zogen sich zusammen. "Sie wollen doch nicht etwa zu Fuß gehen. Das würde man ihnen nie glauben!"
"Das habe ich auch nicht vor." antwortete sie bestimmt, bückte sich und nahm etwas Sand auf, den sie zwischen ihren Händen zerrieb und dann über ihre Bluse strich. Sie öffnete die kleinen perlmuttfarbenen Knöpfe ihrer Ärmel und riß die Naht weiter auf. Dann rollte sie sie hoch. Sandokan schaute ihrem Trieben interessiert zu. "So wird ihnen natürlich jeder abnehmen, daß sie schon seit Tagen alleine im Dschungel unterwegs sind."
Sie löste das Band aus ihrem Haar und schüttelte den Kopf. "Die Erklärung lassen sie ruhig meine Sorge sein."
Sandokan betrachtete die wilde Haarpracht, die sie nun weitaus mehr wie eine unzivilisierte Barbarin aussehen ließ, als sein Volk. "Ganz wie Mylady wünschen!" Er neigte spielerisch unterwürfig den Kopf zur Seite.
Christina war wieder in den Sattel gestiegen und schaute ihn nachdenklich an. "Was verbergen sie hinter all' dem Spott und Hohn!?"
Sie bekam natürlich keine Antwort. Hatte sie etwas anderes erwartet. Statuengleich stand er neben ihrem Pferd und schaute ohne jegliche Regung zu ihr auf. Mit einer blitzschnellen Bewegung landete seine Hand hinter ihrem Sattel auf dem Rücken des Braunen, der nach vorne sprang und losrannte. Christina hatte Mühe sich festzuhalten. Als sie sich umwandte, konnte sie nur noch Wald um sich erkennen, ja sie wußte nicht einmal mehr aus welcher Richtung sie gekommen war.
Ob sie ihm noch einmal begegnen würde? - Auf alle Fälle hatte sie was in ihrem nächsten Brief an Dora zu berichten ...
Er sah ihr nach, wie sie zwischen den Bäumen verschwand. Eine ungewöhnliche Frau. Eigentlich wäre es fair gewesen ihr zu sagen, in welcher Gefahr sie schwebte, aber hätte sie es gewußt, hätte sie sich vielleicht verraten.
Der Tiger von Malaysia bestieg sein Pferd und folgte ihrer augenscheinlichen Spur bis zum Rand des Dschungels. Dort schlich er zu Fuß weiter. Stimmen drangen an sein Ohr, noch bevor er etwas sehen konnte. So was nannte sich nun Patrouille. Jeder kleine Bauer hatte genügend Zeit bei dem Lärm, den die Briten machten, sich zu verstecken. Und so ein Volk masste sich an, anderen ihre Lebensphilosophie diktieren zu wollen. Er schob vorsichtig die Blätter eines Gebüsches auseinander. Da waren sie. Alle acht Mann waren von ihren Pferden gestiegen und standen im Kreis um die Lady, die sich auf den Arm eines jungen Lieutenants stütze und sich Luft zufächelte. Er konnte nicht verstehen, was gesagt wurde, aber das was er sah, sprach für sich.
Der Lieutenant hing förmlich an ihren Lippen und als sie auch noch theatralisch in seinen Armen zusammenbrach, rannten plötzlich alle anderen wild durcheinander. Jeder wollte der erste sein, der ihr die Wasserflasche reichte. Ein wahrhaft meisterhaftes Schauspiel. Sandokan zog sich zurück. Er hatte genug gesehen. Er hoffte nur sie konnte den Gouverneur genauso gut von ihrer Geschichte überzeugen, aber wie er das einschätzte, dürfte sie keine Schwierigkeit damit haben.... Störte ihn das? - Sein Schritt verhielt. Nichts drang zu ihm durch wie nur seine innere Stimme. Sein Blick wanderte ruhelos über den mit Moos und Blattwerk bedeckten sandigen Boden, aber er sah nicht das ineinandergewobene Geflecht der Natur, wo jedes Ding seinen Platz und Nutzen einnahm. Er hörte nur den Klang seiner inneren widerstreitenden Stimmen und brachte sie zum Schweigen. Jeder mußte seinen eigenen Weg gehen und finden im Leben, auch wenn er vielleicht in die falsche Richtung führte. Und wenn sein Weg der der Rache war, würde er ihn zu Ende gehen, egal ob es der falsche Weg war.


Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 30. Dezember 2007 )
 
 
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