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Himmel über Sarawak PDF Drucken E-Mail
Inhalt
Himmel über Sarawak
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 29
Kapitel 30
Kapitel 31
Kapitel 32
Kapitel 33
Kapitel 34
Kapitel 35
Kapitel 36
Kapitel 37
Kapitel 38
Kapitel 39
Kapitel 40
Kapitel 41
Kapitel 42
Kapitel 43
Kapitel 44
Kapitel 45
Kapitel 46
Kapitel 47
Kapitel 48
Kapitel 49
Kapitel 50
Kapitel 51
Kapitel 52

sundown01Das Festessen hatte aus Reis, Früchten, Gemüse und einem weißen wohlschmeckenden Fleisch bestanden. Das was sie verstanden und von den Frauen erfahren hatte war, daß dieses Dorf so tief im Dschungel lag, weil sich hierher die englischen Soldaten nicht wagten und wenn sich doch einmal eine Patrouille hierher verirrte, sah sie das Sonnenlicht nie wieder. Sabau der Dorfälteste war ein Waffengefährte von Sandokan gewesen und hatte sich hierher zurückgezogen. Er sammelte all die um sich, die nicht gewillt waren das Land der Engländer zu bebauen, sondern ihr eigens und sich für den Tag rüsteten, wenn sie gemeinsam gegen die Kolonialherren zogen, um sie endgültig von dem Land ihrer Vorväter zu vertreiben. Was sie erstaunte, war die Freundlichkeit, mit der sie aufgenommen worden war. Immerhin war sie eine weiße und für die Einheimischen schuldig an den Entführungen, aber niemand fragte sie danach.
Anfänglich war es interessant den fremden Stimmen zu lauschen und die einfachen Gespräche über ihre Häuser, Felder, Männer, Väter und Kindern zu verfolgen, aber zunehmendes Desinteresse und die Neugier, was auf der Seite der Männer gesprochen wurde, die durch ein großes Feuer in der Mitte, von den Frauen getrennt saßen, ließen Christina nur noch halbherzig den Gesprächen folgen. Als sich die Frauen endlich erhoben und ihre Hütten aufsuchten, war sie einerseits froh diesem Geplapper entronnen zu sein, wußte aber nun immer noch nicht, wie es weitergehen würde. Auf gar keinen Fall würde sie hier untätig länger verweilen, sie wollte nicht alles verlieren, was ihr in den Jahren zur Heimstadt geworden war.
Ihre Gedanken schweiften ab...Eine Ewigkeit schien es her zu sein, daß Alexandre sie besucht hatte. Sicher machte er sich große Sorgen...
Die letzten Tage glitten an ihren inneren Auge vorbei, wie als würde sie sich die Erinnerungen einer vollkommen anderen Person anschauen. Ein bitterer Zug legte sich auf ihr Antlitz. - Wie drastisch stand doch diese vor ihr jungfräulich ausgebreitete Landschaft im Gegensatz zu den unmenschlichen Taten, die hier verübt wurden....Ihr Blick schweifte über die im hellen Licht des Mondes dunklen Wipfel des Waldes, der sich unter ihr, vom Fuß der Klippe bis an den Horizont ausbreitete, so als würde die ganze Welt ein einziger Dschungel sein ...
"Das ist bereits Niederländisch-Indien, worauf sie schauen. Sie stehen genau an der Grenze."
Ihr Kopf wandte sich langsam zur Seite, daß reine Licht des Mondes ließ ihre Haut weißer erscheinen, als sie es war. Ihre schlanke Gestalt in dem roten Sarong wirkte vor dem schimmernden Antlitz der Sterne unwirklich. Die streng nach hinten, zu einem Zopf geflochtenen Haare unterstrichen die schmale Linie ihrer Schultern.
"Es ist euer Land, nicht wahr?" Sie brauchte sich nicht umwenden, um zu wissen, wer wenige Schritte hinter ihr stand.
"Das ist richtig."
Sandokan war neben sie getreten und schaute über das dunkle Meer des Waldes. Seine Hand ruhte locker auf dem Griff seines Krummsäbels. Nichts deutete darauf hin, daß er der Erbe eines großen Reiches war, was niedergeschlagen und vernichtet worden war. Er trug ein grünes einfaches Hemd und ein ebensolches Stirnband. Nur die stolzen Züge in dem ernsten Gesicht zeugten von majestätischer Herkunft. Er ahnte nicht im entferntesten, daß Christina sicher mehr von ihm wußte, als ihm lieb gewesen wäre.
"Warum sind sie nach dem Tod ihres Mannes geblieben?"
"Verlassen sie das Land, daß sie lieben, auch wenn sich ihnen Widrigkeiten in den Weg stellen?
Ihre Blicke begegneten sich. Für Sekunden sahen sie in die Seele des anderen und das helle klare Licht des Mondes vertrieb allen Haß. Jedweder böse Schatten wich vor den weißen Strahlen zurück. Er spürte eine innere Ruhe und Frieden, wie er es schon lange nicht mehr empfunden hatte. War es dieser Ort, der ihn die Erinnerung an friedvolle, glückliche Stunden seines Lebens zurückbrachte oder ihr Blick aus großen dunklen Augen, der ihm offen ohne jede Falschheit begegnete...Wie abwegig sie für irgendein Verbrechen verantwortlich machen zu wollen.... "Ich habe gehört, daß sie auf ihrer Plantage eine Schule haben und ein Krankenhaus bauen wollen." Sein Blick glitt wieder in die Ferne. "Außerdem sollen sie ihre Arbeiter sehr gut entlohnen, so daß sie in der Lage sind, sich eigenes Land zu kaufen und zu bewirtschaften!?
"Und doch beschuldigt man mich, sie ihrer Familien zu berauben!" fiel sie ihm halb ins Wort.
Es herrschte einen Moment Schweigen. Nur die Geräusche des Dschungels drangen an ihr Ohr.
"Die langen Jahre der unbarmherzigen, grausamen Herrschaft der Weißen hat uns mißtrauisch gemacht, auch gegen die, die uns Gutes wollen."
"Man erzählt sich, daß sie einen guten Freund haben, der Portugiese ist. Auch eines der Länder, was sie niederzwang."
"Das ist richtig, aber Yanez hat sich sein eigenes Reich geschaffen unabhängig von Grenzen und Rassenunterschieden. Es ist das Reich, in dem jegliche Ungerechtigkeit bekämpft wird, ganz egal wer auf welcher Seite steht und welche Hautfarbe er hat."
"Soweit gehen sie nicht, nicht wahr? - Sie hassen alle, die zu zum Volk ihrer Peiniger gehören."
"Außer sie überzeugen mich vom Gegenteil."
"Haben sie sich je überlegt einen anderen Weg als den des Kampfes zu gehen, Verhandlungen zu führen, ein Abkommen zu treffen...."
Ein leichtes von ihr nicht bemerktes anerkennendes Lächeln glitt über seine ernsten Züge. "Würde ich auch nur den Versuch wagen mit einem Briten Kontakt aufzunehmen, würde man mich sofort hängen."
"Gouverneur Gowron hätte sie sicher angehört. - Haben sie ihn getötet?"
"Wenn ich sage 'Nein', glauben sie mir das?"
"Ja!"
Dieses 'Ja' kam so selbstverständlich und ehrlich aus tiefsten Herzen, daß es ihn fast beschämte. Er schaute sie von der Seite an. Ihr Blick war in den Himmel gerichtet, das funkelnde Band der Sterne betrachtend.
"Aber auch er stand jemandem im Weg und der neue Gouverneur ist ein Krieger." Sandokan bemerkte ihr Zögern, bevor sie zu sprechen begann.
"Das stimmt. Er hat viele Kämpfe in verschiedenen Ländern ausgefochten. - Aber er muß auch seinen Befehlen folgen und würde nichts lieber als das was Henry Gowron begonnen hat, zu Ende zu führen."
"Hat er ihnen das gesagt."
"Natürlich!"
"Und sie glauben das?"
"Er ist ein sehr achtbarer Gentleman!"
Der Frieden in seiner Seele war verflogen. Er spürte Bitterkeit aufsteigen. Wieviel weniger Ungerechtigkeit würde es geben, wenn man direkt in die Herzen der Menschen schauen konnte. Und wieviel weniger Leid bei denen, die enttäuscht und gebrochen zurückblieben.
"Ich hoffe für sie, daß sie Recht haben. - Ich werde sie morgen so weit wie möglich in die Nähe von Kuching bringen. Wir reiten bei Sonnenaufgang. Sie sollten sich schlafen legen."
"Danke!"
Er hatte sich bereits ein paar Schritte entfernt, als ihre Stimme ihm bewußt wurde. Er verharrte und wandte den Kopf.
Sie stand da. Das Mondlicht beschien ihre Gestalt und umhüllte sie wie die Reinkarnation einer Göttin.
'Danke' .... Dieses eine Wort hallte in ihm nach wie der Klang einer Glocke. Wie der beginnende Morgen durchströmte es seinen Körper.
Tat er das Richtige, sollte er sie gehen lassen, sie vielleicht in Gefahr bringen, um die Wahrheit zu erfahren und Beweise zu haben, oder sollte er auf Kammamuri hören und sie erst mal weiter mitnehmen.
Was, wenn das stimmte, was der Vorarbeiter Tunik, der mit seiner Familie über die Grenze geflüchtet war, Sabau erzählt hatte? Wenn wirklich der Verwalter der van Hennings Plantagen, Sklaven gegen Gold getauscht hatte, was von Tunik beobachtet worden war und man ihm angedroht hatte seine Familie zu verkaufen, wenn er etwas sagte? - In diesem Fall konnte Misses van Henning in arge Bedrängnis geraten.
Aber Jerry Binks konnte nicht der eigentliche Mann an der Spitze sein. Der würde sich nicht zu dieser öffentlichen Handlung hinreißen lassen. - Aber was, wenn sie ihn getäuscht hatte und tatsächlich etwas damit zu tun hatte...
Diesen Gedanken vermochte und wollte er nicht zu Ende führen.


Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 30. Dezember 2007 )
 
 
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