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Himmel über Sarawak PDF Drucken E-Mail
Inhalt
Himmel über Sarawak
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 29
Kapitel 30
Kapitel 31
Kapitel 32
Kapitel 33
Kapitel 34
Kapitel 35
Kapitel 36
Kapitel 37
Kapitel 38
Kapitel 39
Kapitel 40
Kapitel 41
Kapitel 42
Kapitel 43
Kapitel 44
Kapitel 45
Kapitel 46
Kapitel 47
Kapitel 48
Kapitel 49
Kapitel 50
Kapitel 51
Kapitel 52

sundown01"Monsieur Lumière! Welch seltener Besuch." Gouverneur Kirk empfing seinen unvorhergesehen Gast zu so früher Stunde ganz zwanglos in Hausjacke im Raucherzimmer, wo er gerade die hiesige Ausgabe der London Times studiert hatte und sich ein Glas Sherry genehmigte. "Bitte nehmen sie doch Platz. Ein Glas Sherry?" Der Gouverneur trat zu einem kleinen Tisch, der mit funkelnden Kristallgläsern und zahlreichen schweren Flakons mit hellen und dunklen Flüssigkeiten bestückt war.
"Nein danke, General!" Lumière hatte sich steif in einen imposanten Sessel aus rotem Samt gesetzt. Seine Füße scharten unruhig auf dem dicken Teppich hin und her.
Der Gouverneur nahm wieder auf dem Sofa Platz, lehnte sich lässig gegen ein großes bequem aussehendes Kissen und griff nach seinem Glas "Sie gestatten!"
"Aber selbstverständlich." gebot der Franzose, der mit einem beigefarben, vom Ritt etwas unordentlich sitzenden Anzug bekleidet war, und damit der Höflichkeitsfloskel seinen Zoll entgegenbrachte.
"Was führt sie zu mir?"
"Ich komme gerade aus Siluas und hörte, daß man sie überfallen hat."
Das Gesicht des Gouverneurs wurde ernst und seine Augenbrauen zogen sich zusammen. "Es war ein schrecklicher Angriff aus dem Hinterhalt, so als hätten die Banditen gewußt, daß wir dort lang reiten würden. Meine Männer sind alle tot..." ...und bei denen, die noch gelebt hatten, hatte er selbst nachgeholfen, als die Bauerntölpel endlich verschwunden waren. Nicht das es womöglich unterschiedliche Versionen der Darstellung der Geschehnisse gab.
"Ich habe gehört, sie waren verwundet." fiel ihm ungeduldig der Franzose ins Wort.
"Ja." Kirk nippte genußvoll an seinem Sherry. "Doktor McCoy meinte, noch ein paar Millimeter weiter und die Stichwunde hätte die Schlagader getroffen und ich wäre wohl verblutet." Natürlich, und das hatte er auch so einkalkuliert. Schließlich war er in genug Schlachten gewesen und wußte was einen Mann umbrachte, also hatte er sich genau überlegt, wo er sich die Wunde zufügte.
Kirk beobachtete Lumière über den Rand seinen Glases hinweg. Ihm standen die Schweißperlen auf der Stirn und er machte ein recht unglückliches Gesicht. "Aber sie sind sicher nicht hier, um sich nach meinem Befinden zu erkundigen." half er ihm weiter.
"Nein....." der Angesprochene holte tief Luft. "Angesichts der Tatsache, daß man beginnt die Pflanzungen der van Hennings Plantagen zu plündern, wollte ich fragen, was der Gouverneur dagegen zu unternehmen gedenkt."
Ein verstecktes, wissendes Grinsen schlich sich über die Züge des Generals, glitt aber sofort wieder in einen ernsten Ausdruck hinüber "Ich habe bereits eine Abteilung abgeordnet, die auf Bitten des Verwalters Mr. Binks die Plantage schützen soll. - Und natürlich würde das auch auf ihr Land zutreffen, wenn es zu einem Aufstand kommen würde. Sie können meiner vollen Unterstützung gewiß sein."
"Und die Verbrecher,......die sie verletzten."
Der Gouverneur bemerkte an seinem sein Zögern, daß er eigentlich nach etwas anderem fragen wollte. "Nun, irgendwann muß Sandokan den Dschungel verlassen. Seine Schiffe kreuzen vor Sarawak und dann werden wir zuschlagen."
"Und sie sind sicher, es war Sandokan?" fragte der Franzose ungläubig.
"Natürlich war es Sandokan."
Ein kurzes Schweigen lastete auf dem in dunklem Holz getäfelten Raum, der von dem gelben Licht der Gaslampen matt erhellt wurde.
"Haben sie noch etwas auf dem Herzen, mein Freund?" fragte der General vertrauensvoll.
Sein Gegenüber schluckte. "Ich habe gehört Madam van Henning befand sich bei ihnen."
Eine gewisse Genugtuung durchfloß Kirk.
"Das ist richtig! Sie hatte auf diesen Ausritt bestanden, ich konnte es ihr nicht ausreden, aber sie kennen sie ja länger als ich....?"
Alexandre spürte die offensichtliche Feindschaft seines Gegenspielers und Ärger stieg in ihm auf. "Und was gedenken sie in diesem Fall zu tun?" fragte er mit fester Stimme.
"Abwarten, bis sich Sandokan meldet, oder sie freiläßt, wenn er in Sicherheit ist." "Und das ist alles?" Alexandre bemerkte, daß er unweigerlich begann sich im Ton zu vergreifen, was sein gegenüber mit einem deutlichen Zittern der Mundwinkel ebenfalls registrierte.
"Sandokan wird einer Frau nichts zu Leide tun, das hat er noch nie. Sie brauchen sich da keine Sorgen zu machen. Allerdings...ich würde ihnen empfehlen sich vielleicht doch mehr um ihre Angelegenheiten zu kümmern."
"Wie darf ich das verstehen, General?!" Alexandre fiel der warnende Unterton in der Stimme des Gouverneurs vor Zorn nicht auf.
Der Gouverneur beugte sich vor. "Nun, ihre kleine Liaison mit Misses van Henning ist ja wohl allen bekannt. Und wenn sie möchten, kann ich ihnen sogar Daten und Uhrzeit ihrer Treffen nennen." Kirk beobachtete mit Behagen das Erbleichen von Lumière. "Wie geht es eigentlich ihrer Gattin und den Kindern. Alles bei bester Gesundheit? - Ich hörte, daß die Geschäfte nicht so gut laufen in letzter Zeit. Ihr Vermögen ist ja wohl schon nicht mehr existent und nun versuchen sie wenigstens das ihrer Frau zu halten, obgleich der Preis für Pfeffer momentan nicht sehr gut steht. Sie hätten halt beizeiten auch auf andere Geschäfte setzen sollen, wie es auf den van Hennings Plantagen üblich ist, ...aber verzeihen sie, ich vergaß, daß ihr Land natürlich nicht so ergiebig ist. Natürlich, wenn sie jetzt verkaufen würden und mit ihrer Familie nach Frankreich zurückgingen, könnte ich ihnen einen sehr guten Preis machen, der es ihnen ein luxuriöses Auskommen auf einem Landhaus in der Bretagne erlaubt, zumal es hier jetzt für einen Mann mit Familie doch sehr gefährlich ist. Sie möchten doch sicher vermeiden, daß jemandem etwas zustößt?!"
Alexandre sprang auf. Sein Gesicht war vor Wut gerötet. "Wollen sie mich erpressen, Gouverneur!?"
"Aber mein lieber Freund!" Kirk erhob sich langsam und lächelte brüderlich. "Ich möchte doch nur, daß ihrer Gattin und ihren Kindern kein Leid geschieht und stellen sie sich nur die Verzweiflung ihrer Familie vor, wenn ihnen ganz öffentlich ihr kleines Verhältnis zu Ohren kommt. Was für eine Schande. Ts ts ts!" Der Gouverneur schüttelte den Kopf.
"Meine Familienangelegenheiten gehen sie gar nichts an." schnappte Alexandre und wandte sich zum Gehen.
Mit zwei schnellen Schritten war Kirk bei ihm und faßte den etwas größeren, kräftiger gebauten Mann am Arm. Lumière wandte sich ihm zu. In den Augen von Kirk glitzerte es gefährlich, seine Stimme war nur ein Flüstern: "Christina gehört mir. Sie werden sie nicht mehr wiedersehen."
Alexandre lachte herbe. "Wie wollen sie mich daran hindern, mich töten?"
Der General ließ seinen Arm los und verschränkte die Hände vor die Brust. Kalt und berechnend waren seine Züge "Sie töten? - Nein, das wäre zu einfach...."
"Sie werden es nicht wagen meiner Familie..."
Kirk lachte schallend. Er umfaßte beinahe freundschaftlich seine Schulter und schob den verdutzten Mann durch die Tür. Die Wachen im Hauptgang nahmen Haltung an.
"...Aber natürlich werde ich mich um die Pflanzungen meiner Verlobten kümmern bis ich sie befreit habe. Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen, daß sie ihre Verantwortung vernachlässigt haben. Wichtig ist jetzt, daß sie ihre Familie in Sicherheit bringen, wenn ihre Frau und ihre Kinder solche Angst haben. Ich wünsche ihnen eine gute Reise und werde für ihre sichere Überfahrt sorgen. Gute Nacht mein Freund." Er schob Alexandre durch die Haupttür, der wie benommen die breiten Treppen runtertaumelte und automatisch sein Pferd bestieg, das von einem Bediensteten gehalten wurde. Er sah nicht das genießerische Funkeln in den Augen des Gouverneurs wieder ein Leben zerstört und für seine Zwecke benutzt zu haben.


Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 30. Dezember 2007 )
 
 
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