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Weißer Dunst schob sich wie der Atem eines Drachen durch das Dickicht
der Blätter. Hier und da erleuchtete ein Sonnenstrahl das dunkle Grün
und verscheuchte die wogenden Schleier der hohen Luftfeuchtigkeit. Ein
leichter Wind spielte mit den höheren Blättern dieses tiefen Waldes,
und verlor seine Kraft zwischen den dicken bewachsenen Stämmen.
Sie musterte ihr Spiegelbild in dem von zahlreichen Blüten bedeckten
schmalen Flußlauf, über den die Bäume weit ihre Äste hinüberhängen
ließen, so als wollten sie verhindern, daß die Sonne dieses kostbare
kühle Naß bemerkte und es austrocknete. Sie strich sich mit dem
perlmutfarbenem Kamm, den ihr Kammamuri gegeben hatte, durch das von
dem erfrischenden Bad noch feuchte lange Haar.
"Sind sie fertig?"
Christina van Henning wandte sich langsam zu Sandokan um, der sie
zynisch musterte. Ihr offenes Haar glitt über ihre Wange und sie strich
es nach hinten. Sie hatte die obersten beiden Knöpfe ihrer
hochgeschlossenen Bluse offengelassen und die langen Ärmel ein wenig
hochgerollt. Ihre seidene Weste lag achtlos neben ihr auf dem mit Moos
bewachsenen Boden.
Nun, wenn er meinte, er könne sich über sie lustig machen, so war er bei ihr an die Falsche geraten.
"Und was meinen sie? - Bin ich fertig? Kann ich mich so sehen lassen?"
Sie schaute ihn herausfordernd an und glättete mit der Hand
demonstrativ ihr Haar.
Sandokans spöttisch hochgezogenen Mundwinkel verschwanden. Er hob stolz
den Kopf. Christina hatte einen kleinen Sieg errungen, wenn auch nicht
im Kampf, wo sie ihm bei weitem unterlegen gewesen wäre.
"Wir reiten!" Abrupt wandte er sich um und ging zu den Pferden, neben
denen Kammamuri und der andere Fremde standen, dessen Namen Christina
nicht richtig verstanden hatte.
Sie beeilte sich ihm zu folgen, es machte den Anschein als ob es ihm
momentan durchaus egal war, ob sie mit kam, oder hier blieb. Sie faßte
ihr Haar mit einem Band, welches mal eine kleine Zierschleife an dem
Kragen ihrer Bluse war, zusammen, griff nach ihrer Weste und folgte
Sandokan durch das lockere Gebüsch zu der kleinen Lichtung, wo sie auch
genächtigt hatten.
Sandokan und Kammamuri saßen bereits im Sattel und warteten. Der andere
Fremde hielt das Pferd, das man ihr zugedacht hatte. Es war etwas
kleiner und kräftiger als die anderen. Wahrscheinlich war es vorher ein
Packtier gewesen. Der große kräftige Mann mit den herben Gesichtszügen
und den mandelförmigen Augen, machte Anstalten ihr in den Sattel zu
helfen, was sie ignorierte und alleine aufstieg.
Sandokan beobachtete halb umgewandt, daß die kleine Gruppe nun bereit
war. Ein selbstgefälliges leichtes Lächeln ließen seine dunklen Augen
aufblitzen. Nun, er mußte der Lady - was auch immer man ihr vorwarf, an
dessen Richtigkeit er allerdings zweifelte - schon einen gewissen Mut
zusprechen und vor allen Dingen eine spitze Zunge.
Der Tiger von Malaysia führte die aus allen Völkergruppen stammende Schar tiefer in den Dschungel.
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Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 30. Dezember 2007 )
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