|
Seite 17 von 53
Seine dunklen schmalen Augen verengten sich. Ein Punkt am Horizont
hatte seine Aufmerksamkeit erregt, noch bevor der Ausguck etwas davon
bemerkte. "Steuerbord Hikaru." sagte er, ohne seinen Blick von dem
fernen Objekt abzuwenden, zu seinem Steuermann, einem kleinen Japaner,
der nur mit einer schwarzen weiten Hose bekleidet war.
Hikaru Sulu, der sein Leben mehr als einmal seinem Herren Li Lian Jie
verdankte, fing diesen Befehl, obgleich sehr ruhig und leise, aber wohl
intoniert gesprochen, sofort auf, und setzte ihn mit ruhigen fließenden
Bewegungen um.
Die 'Toranaga' bewegte sich unmerklich nun direkt auf den schwarzen
Punkt am Horizont zu. Das Schiff rollte über die Wellen, die jetzt von
der Seite kamen. Der Wind blies einige dünne Haarsträhnen aus dem nach
hinten gekämmten und hochgesteckten schwarzen Haar von Li nach vorne.
"Ein Kanonenboot?" fragte Hikaru und versuchte etwas genaueres als die
wagen Umrisse des auf sie zukommenden Schiffes auszumachen.
"Nein! Ein Dreimaster, spanisch, schwer beladen!"
Ohne vom Kurs abzuweichen hielt die 'Toranaga' direkt auf das Schiff
zu. Li brauchte seiner Mannschaft keine Anwesungen zu geben. Sie waren
alle ausgezeichnete Kämpfer und wußten, was sie zu tun hatten.
Man konnte bereits die Gesichter der Männer auf dem anderen Schiff
erkennen, die ihrerseits mißtrauisch hinüberschauten. Üble Gesichter,
keinem würde Li dem Rücken zukehren wollen, auch wenn sie für die
gleiche Sache kämpfen würden. Ein Blitzen erregte seine Aufmerksamkeit.
Hinter einer der Aufbauten, hatte ein Lichtstrahl der aufgehenden Sonne
etwas metallisches gestreift. Das war das Zeichen, auf das Li gewartet
hatte, ein Fingerzeig göttlicher Fügung, die ihm den Weg wies.
Er hob schweigend die Hand. Das war für seine Männer das Signal.
Strohballen wurden zur Seite geworfen und versteckte Abdeckungen
geöffnet. Kanonen schoben sich aus vorher nicht erkennbaren Schächten.
Die 'Toranaga' machte einen abrupten Bogen und schoß wie ein Pfeil auf
den spanischen Dreimaster zu. Bewegung war auf dem anderen Schiff
entstanden, als man die plötzliche Gefahr erkannte. Zu spät. Die
'Toranaga' hatte das Schiff fast erreicht und wurde wie von Geisterhand
unter der sachkundigen Lenkung ihres Steuermannes zur Seite gezogen.
Nur zwei Meter trennten die beiden Schiffe noch voneinander.
Die Kanonen der 'Toranaga' feuerten. Maste knickten ein wie gefällte
Bäume und begruben Männer unter sich, die nicht schnell genug zur Seite
ausweichen konnten. Die Reling des Schiffes wurde in Trümmer
geschossen. Innerhalb von Sekunden waren die Aufbauten nur noch eine
Ansammlung zertrümmerter Holzbalken. Ein Steuer gab es nicht mehr.
Li war der erste, der sich an Bord des fremden Schiffes schwang. Ohne
zu zögern und innezuhalten mähte er die Angreifer, die auf ihn
zustürzten mit blitzartigen Bewegungen seines Säbels nieder. Er war so
schnell, daß sie seinen Bewegungen nicht zu folgen vermochten. Ehe sie
sich's versahen, war er über ihre Köpfe gesprungen und stand hinter
ihnen, ohne das sie etwas davon mitbekommen hatten.
Der Kampf wehrte nur wenige Minuten, dann gab es niemanden mehr, der
noch fähig war das Schiff zu verteidigen. Li steckte seinen Säbel
wieder ein. So schnell, wie er sich bewegt hatte, so schnell kam er aus
der Bewegung wieder zur Ruhe, als wäre er erst jetzt an den Ort des
Geschehens gerade so wie ein unbeteiligter Zuschauer gekommen.
Seine Männer durchsuchten das Deck. Li lauschte den Geräuschen, dem
Scharen von Füssen, dem Glucksen des Meeres, wie es langsam Einlaß
gewann durch die von den Kanonenkugeln gerissenen Lecks.
Mit schnellen Schritten ging er drei Schritte vorwärts und stoppte. Er
winkte einen seiner Männer mit einer Axt heran und deutete auf die
Planken. Der Mann hob die Axt und zerschmetterte das Holz. Li bückte
sich und riß die Planke heraus und starrte in die Dunkelheit, aus der
ihn ängstliche Augen zurück anstarrten.
|
|
Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 30. Dezember 2007 )
|