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Himmel über Sarawak PDF Drucken E-Mail
Inhalt
Himmel über Sarawak
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 29
Kapitel 30
Kapitel 31
Kapitel 32
Kapitel 33
Kapitel 34
Kapitel 35
Kapitel 36
Kapitel 37
Kapitel 38
Kapitel 39
Kapitel 40
Kapitel 41
Kapitel 42
Kapitel 43
Kapitel 44
Kapitel 45
Kapitel 46
Kapitel 47
Kapitel 48
Kapitel 49
Kapitel 50
Kapitel 51
Kapitel 52

sundown01 "Captain Hutt soll sich angeblich umgebracht haben, weil die Piraten, also wir, ihn durch das Versenken seines Schiffes in den Ruin getrieben haben." Ein schiefes höhnisches Lächeln glitt über die asiatischen Züge des dunkelhäutigen Mannes, dessen ausgebildetes Muskelspiel der kräftigen Oberarme ihn im Schein des Feuers ihn wie einen Barbar aus der Vorzeit erscheinen ließ, als er nach dem Becher griff und einen Schluck trank. Seine langen, schwarzen bis über die Schultern reichenden Haare, fielen glatt nach hinten. "Aber so recht will das niemand glauben. Captain Hutt war ein schmieriger Aasgeier. Es würde mich nicht wundern, wenn er selbst von dem Sklavenhandel profitiert hätte. Auf alle Fälle hätte er sich nie selbst etwas angetan. Dazu wäre er zu feige gewesen. Und schon gar nicht wegen einer Ehrenschuld und seiner Familie wegen, da er seine Frau und Kinder seit drei Jahren nicht mehr in Singapur besucht hat."
"Wer sollte ihn umgebracht haben?" Kammamuri schaute von Sandokan zu ihrem mitternächtlichen Gastgeber, der sie hier mitten im Dschungel, an der Grenze zu niederländisch-Indien, bereits mit einem - für Kammamuris Verhältnisse - Festtagsschmaus erwartet hatte.
"Der, der davon profitierte." Durchdringende schwarze Augen aus einem Wind und Wetter ausgesetztem harten Gesicht, musterten den jüngeren Mann, der diesem eindringlichem, abschätzenden Blick in keiner Weise nachstand.
Die beiden Männer, die sich bisher noch nicht begegnet waren, schätzten mit geübten Blick einander ab. Wären sie anderen Ortes aufeinandergetroffen, so hätte es sein können, daß sie auf verschiedenen Seiten gestanden und nur einer diese Begegnung überlebt hätte, aber so war da eine Gemeinsamkeit, die sie nichts am anderen in Frage stellen ließ: Sandokan.
"Was meinst du, Hiroyuki, hatte Captain Hutt etwas mit dem Sklavenhandel zu tun?" Sandokan hatte leicht schmunzelnd die aufmerksamen Blicke der beiden Männer verfolgt und beschlossen, daß es an der Zeit war, dieses Spiel des unsichtbaren Kräftemessens zu beenden.
"Nein, Sandokan! Dazu war er nicht clever genug. Wer auch immer dahinter steckt, muß großen Einfluß haben und vor allen Dingen Geld."
"Wie ist deine Meinung mein Freund, haben die gleichen Leute auch Gouverneur Gowron auf dem Gewissen?"
Hiroyuki Tagawas Blick glitt in den schwarzen Himmel, der sich in einer schmalen Lücke zwischen dem ineinander übergreifenden Blätterdach, wie ein Tor zu einer anderen Welt, öffnete. Seine Mundwinkel zeigten leicht nach unten. Sandokan hatte ihn selten lachen sehen. Wer er war und wo er herkam hatte er nie erzählt. Ein Jahr, nach dem sie Mompracem an Brooks verloren hatten, stand er vor ihm, mit den Worten, daß er sich ihm anschließen werde. Es war keine Bitte gewesen, sondern eine Tatsache, die Sandokan aus ihm bis heute noch unerklärlichen Gründen, vorbehaltlos akzeptiert hatte, ohne weiter nachzufragen, ohne einen Zweifel, einen Anflug von Mißtrauen. Er konnte auch nicht sagen, ob es Freundschaft war, was sie verband oder nur ein gegenseitiger Nutzen. Er tauchte auf und verschwand wieder und war immer da, wenn es notwendig war.
Hiroyuki wandte den Blick wieder Sandokan zu. Der Schein des Feuer spiegelte sich in seinem Augen.
"Es gibt nur einen, der einen Vorteil davon hätte: Gouverneur James Kirk, ein ehrgeiziger Mann, kein Mann des Friedens."
Sandokan nickte, daß waren auch seine Gedanken, nur wie sollte man es nachweisen können, daß wer auch immer die Tat begangen hatte, er es nicht war, es nicht hatte sein können.
"Was ist mit der Reederei?" fragte Kammamuri und kam auf das vordringlichere Problem, was sie hatten.
"Das eine Schiff, was du versenkt hast und ein anderes sind beide offiziell als vermißt gemeldet. Keiner meiner Kundschafter konnte irgendwelche auffälligen Transaktionen berichten. Wie es aussieht, ist es entweder Zufall, daß es ausgerechnet diese Schiffe sind, oder es ist ein sehr gutes und von langer Hand vorbereitetes Geschäft. Und das alle Söldner britische Ausrüstung haben, ist keinesfalls ein Zufall. Und das immer wieder von einem britischen Gentleman die Rede ist, der das Geld in Empfang nimmt, ist auch nicht von ungefähr. Es muß mehr dahinter stecken."
"Sie suchen etwas zu finden, wo es nichts Übles zu finden gibt."
"Welch angenehmer Klang in dieser unwirtlichen Umgebung." flüsterte Hiroyuki ernst, obgleich eine eigenwillige Intonation diese Bemerkung begleitete.
"Ich hab mich schon gefragt, wann sie sich an unserem Gespräch beteiligen werden, Misses van Henning." Sandokan nahm eine der kleinen Holzschüsseln und füllte etwas aus dem großen Topf hinein, der noch über dem Feuer hing ein.
Kammamuri schien der einzigste, der etwas überrascht war, daß ihr unfreiwilliger Gast bei Bewußtsein war, was ihm wohl so offenkundig im Gesicht stand, daß Hiroyuki seine Frage ungewollt beantwortete. "Sie ist schon seit geraumer Zeit wach."
Sandokan hockte sich neben sie und reichte ihr die kleine Schüssel, in der ein Löffel steckte. "Sie müssen etwas essen."
Christina schaute zu ihm auf, aber sein Gesicht lag abgewandt vom Feuer in tiefer Dunkelheit. Sie erhob sich langsam und vorsichtig. Ihr an weiche Betten und Kissen gewöhnter Körper fühlte sich etwas steif an, von der rauhen auf dem Waldboden plazierten Decke, als einzige Unterlage. Ihr Kopf schmerzte ein wenig, aber ansonsten fehlte ihr nichts, wie sie bereits vorsichtig festgestellt hatte, außer einem Bad vielleicht. Auch wollte sie lieber nicht wissen, wie sie aussah, wahrscheinlich grauenhaft.
Sie setzte sich aufrecht hin und nahm die ihr gebotene Schüssel. Sie roch daran. Es schien scharf zu sein. Ein dickflüssiger Brei. Wahrscheinlich erwartete man, daß sie fragte, was es wäre, aber den Gefallen würde sie den Männern nicht machen.
Sie spürte die Blicke, die auf ihr ruhten. Ohne zu zögern ergriff sie den Löffel und schob sich den ersten Bissen in den Mund. Es schmeckte überraschend gut, auch wenn sie nicht wußte, was ihren Gaumen und Magen erfreute. Es schien Fleisch zu sein, weich und zart. Sandokan reichte ihr einen Becher. Es war Wasser. Kühl und angenehm frisch, spürte sie jeden einzelnen Tropfen, der ihre Lippen befeuchtete. Sie war also nun tatsächlich Sandokan begegnet, den sie schon all die Jahre in denen sie hier lebte für eine Legende gehalten hatte, obgleich immer wieder in dem Zusammenhang auch der Name ihres Onkels fiel, wobei die erzählten Geschichten stark voneinander abwichen. Erst die Berichte von Dora hatten sie eines anderen belehrt. Vielleicht fühlte sie deshalb in keiner weise Angst, noch Unsicherheit, obgleich...Bilder drängten sich ihr auf und schlugen mit blanker Klarheit wie Peitschenhiebe ihre Erinnerung...Augen, tote Augen, die sie anstarrten, Blut, Schüsse.... sie spürte Panik in sich aufsteigen, die ihr erst jetzt im nachhinein zu Bewußtsein kam.... Sie blickte ins Feuer, verbannte die Bilder aus ihren Sinnen. Sie war am Leben, hatte sich nicht ernsthaft verletzt, und es sah nicht so aus, als wenn man ihr etwas zu leide tun wollte. Wenn auch die beiden Begleiter von Sandokan nicht sehr vertrauenserweckend wirkten. Vielleicht hätte sie auch noch lieber ein Weilchen zuhören sollen, anstatt sich zu dieser voreiligen Bemerkung hinreißen zu lassen, dann hätte sie unter Umständen erfahren, ob James entkommen konnte, oder ob er verletzt....Sie schluckte. Er war General, ausgezeichnet in vielen Kämpfen, sicher hatte er sich retten können...
"Wie fühlen sie sich?"
Sie betastete ihre Stirn, hinter der es unangenehm pochte. Sie berührte die Abschürfung und spürte, wie die Haut an dieser Stelle spannte. "Ich denke, den Umständen entsprechend gut."
"Können sie sich erinnern, was geschehen ist?"
"Man hat uns angegriffen. Jemand wiegelt meine Leute zum Aufruhr auf und behauptet, ich würde ihre Familien in die Sklaverei verkaufen." erwiderte sie mit Absicht in recht spitzem Ton und betrachtete ihn herausfordernd mit ihren großen braunen Augen.
Falls sie gedacht hätte, sie könne ihn provozieren, so hatte sie sich getäuscht.
"Man wollte sie töten."
"Und wo kamen sie so plötzlich her?"
"Wir hörten die Schüsse." Sandokan musterte sie. Sie zeigte in keiner Weise Angst, noch Unsicherheit oder Überraschung, sich plötzlich unter den meist gesuchtesten Verbrechern von britisch-Indien zu befinden.
"Was..." Sie stockte. Ihr Blick senkte sich zu Boden. "Wissen sie, ob von den Soldaten jemand entkommen ist?"
Sie benutzte nicht das Wort tot. Es muß also jemand dabeigewesen sein, der ihr lieb und teuer gewesen war.
"Das kann ich ihnen nicht beantworten."
"Und was ist mit den Dorfbewohnern?"
Sandokan wandte den Kopf zur Seite. Er hatte nicht erwartet, daß sie sich nach den einfachen Leuten erkundigte, zumal sie sie hatten töten wollen.
"Die wenigen, die überlebt haben, sind in Sicherheit."
Es war das erste Mal, daß sie bewußt sein Gesicht sah, daß jetzt zur Seite gewandt, halb vom verlöschenden Feuer beschienen wurde. Spott umspielte den Ausdruck seines Mundes, der von einem gepflegten Bart umgeben war. Es waren traurige Augen, die in Richtung des undurchdringlichen Dickichts starten, als wenn sie dort eine andere bessere Welt zu finden hofften.
"Geben sie mir ein Pferd und lassen sie mich gehen!" sagte sie mit fester Stimme, sich seiner Worte erinnernd.
Er wandte sich ihr wieder zu . "Das kann ich nun nicht mehr."
Er erhob sich und drehte ihr den Rücken zu.
"Sie hatten es mir angeboten."
Sein Schritt verhielt. "Das ist richtig, aber sie stehen jetzt unter meinem Schutz. Wenn ich sie gehen lasse, wie lange würde es dauern, bis sie auf die nächsten Landarbeiter treffen, die sie für etwas verantwortlich machen wollen, von dem wir noch nicht wissen, ob es wahr ist, und sie töten. - Es tut mir leid. Bis zur Klärung müssen sie bleiben, bevor noch mehr unschuldiges Blut vergossen wird. Aber ich verspreche ihnen: Sollten wir auf eine englische Patrouille treffen, so übergebe ich sie in deren Obhut."
"Heißt das, ich bin ihre Gefangene, weil sie mich mit dem Sklavenhandel in Verbindung bringen?"
Sandokan wandte sich zu ihr um und betrachtete sie nachdenklich. "Sollte ich das?!"
"Wenn ich sage 'Nein', glauben sie mir das?" antwortete Christina genauso ernst und erwiderte seinen Blick.
"Betrachten sie sich als mein Gast."


Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 30. Dezember 2007 )
 
 
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